Schmerz des Vermissens

Buchdeckel „978-3-608-93458-8
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Er war ein kompromißloser, wagemutiger Geist, einzelgängerisch, stark im Verwerfen wie im Verehren.

Die Wiederentdeckung eines überraschend aktuellen essayistischen und philosophischen Werks.

Dieses Buch gilt der Wiederentdeckung eines zu Unrecht Vergessenen. Die zwölf hier gesammelten Aufsätze zeigen, daß Gerhard Nebel nicht nur ein glänzender Schriftsteller und wortgewaltiger Polemiker war, sondern auch viele der Probleme unseres technischen Zeitalters früher gesehen hat als andere.

Nebels großes Projekt einer Neuinterpretation der griechischen Kultur umgehend, konzentriert sich diese Auswahl auf Näherliegendes: auf seine Essays über den modernen Zeitbegriff und den Fortschrittsgedanken, auf unseren Umgang mit der Natur, auf die Frage »Langeweile und Zivilisation«. Doch zeigt sich das Spektrum dieses Geistes nicht nur in seiner radikalen Kritik der Moderne, sondern auch in uns heute merkwürdig direkt berührenden Essays über »die Macht des Waldes« oder den »Rausch und die Unendlichkeit«. Weder der Aufklärung noch dem Irrationalismus zuzuordnen, weder der Linken zugehörig noch Versuchungen von Rechts nachgebend, war Nebel ein aufregend unabhängiger Beobachter seiner Zeit. Und er war ein passionierter Reisender und Naturbeobachter; von seiner Lektüre zeugen sein großer, hier abgedruckter Aufsatz über Stefan George.

Der Schriftsteller Gerald Zschorsch hat diese Auswahl aus dem Werk Nebels getroffen. Sebastian Kleinschmidt, Herausgeber von »Sinn und Form«, stellt in einem engagierten Nachwort zum ersten Mal im Zusammenhang Leben, Werk und Aktualität Nebels dar.

Leseprobe
Für die meisten unter den heutigen Lesern ist Gerhard Nebel ein unbekannter Autor. Im östlichen Teil Deutschlands ist er nie angekommen, im westlichen seit langem vergessen. Er war ein kompromißloser, wagemutiger Geist, ein Mann des Alles-oder-Nichts, einzelgängerisch und kantig, stark im Verwerfen wie im Verehren. Ein genüßlicher Verächter der rationalistischen Seinsverengung, ein Kämpfer gegen transzendenzvernichtende Aufklärung, ein beseelter Verteidiger religiösen Glaubens. Das beinahe einzige, was ihn an der Moderne hoffen ließ, waren die Reste an Archaik, die auch sie nicht auszurotten vermochte, Eros und Geschlecht, Essen und Trinken, Schlaf und Traum, Familie, Freundschaft, Vater, Mutter, Kind, Haus und Garten, Recht und Verbrechen, Krankheit und Tod. Auf alles andere, insbesondere den Chiliasmus der Technokratie, reagierte er allergisch. Leute wie er fanden ab Mitte der sechziger Jahre kaum noch Gehör. Attribute des Abseits, »reaktionär«, »irrational«, waren schnell zur Hand.

Ist er also zu Recht vergessen oder zu Unrecht?
Joachim Günther, langjähriger Herausgeber der Neuen Deutschen Hefte, häufiger Rezensent Nebels, hat ihn einen »ekstatischen Traditionalisten« genannt. Nebel hatte von Anfang an etwas Unzeitgemäßes, ohne sich dabei der Zeitgenossenschaft zu verweigern. Doch hätte er durchaus sagen können, sich »feiger Liebe zur Gegenwart« (Tocqueville) nicht schuldig gemacht zu haben. Er lag in einem Maße mit dem Weltzustand im Streit, daß man um ihn fürchten mußte, gemäß Heideggers Satz: „Kein Zeitalter läßt sich durch den Machtspruch der Verneinung beseitigen. Diese wirft nur den Verneiner aus der Bahn.“ Nebels trotzige, häufig rabiate Zeitkritik hatte keine revolutionäre Intention, sie zog Kraft nicht aus den philosophisch proklamierten Paradiesen der Zukunft, sondern aus mythologisch beglaubigter Vergangenheit. Es ging ihm nicht um Umsturz und Neubau, sondern um Wiederherstellung. Er war ein Katechon, ein »Aufhalter« im paulinischen Sinne, und da er wußte, daß Wiederherstellung menschheitlich gedacht, nicht möglich ist, und daß es keinen Weg zurück gibt, war er Pessimist. Insofern bewahrheitete sich der Satz, Kulturpessimismus sei der Komparativ von Kulturkritik, auch an ihm.

1970, vier Jahre vor seinem Tod, schreibt er in Sprung von des Tigers Rücken: »Ich erkenne keine Möglichkeit einer Wende zur Archaik, ich kann weder an die Wiederkehr der Götter noch eine kommende Liturgie und Offenbarung, noch an einem Abbau der Industrie, noch an eine Reinigung des Wassers und der Luft, noch an eine Überwindung der Langeweile und der aus ihr geborenen Anarchie, also an ein zukünftiges Ethos glauben. Ich halte die allgemeine Lage für hoffnungslos und es auch für vergleichsweise unerheblich, ob der Untergang kapitalistisch oder dirigistisch, demokratisch oder faschistisch geschieht.«
Klett-Cotta Essays Hrsg. von Gerald Zschorsch Mit e. Nachw. von Sebastian Kleinschmidt geb. mit Schutzumschlag
280 Seiten,
ISBN: 978-3-608-93458-8
autor_portrait

Gerhard Nebel

Gerhard Nebel, 1903 in Dessau geboren, Studium der Altphilologie und Philosophie bei Heidegger und Jaspers. Reisen nach Ostafrika, Ägypten und ...

Gerald Zschorsch

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