Von den Nazis trennt mich eine Welt

Tagebücher aus der inneren Emigration 1933-1939
Dieses Buch erwerben
24,00 EUR (D), 24,70 EUR (A)
gebunden mit Schutzumschlag (Alternative: E-Book)
Versandkostenfrei nach D, CH, A; hier inkl. Mwst. - >> Lieferinformationen - Einzelheiten zu Ihrem Widerrufsrecht finden Sie in den >> AGBs. - >> Akzeptierte Zahlungsmittel

Die literarische Wiederentdeckung: der hellsichtige Blick eines Intellektuellen auf die Jahre 1933–1939

»Es war vor allem nicht leicht, inmitten eines grandios aufgeblähten Machtsystems zu leben, inmitten eines geistigen Terrors, einer phantastischen Lügenhaftigkeit, innerlich abseits, bemüht, sich nicht blenden zu lassen, auch nicht von scheinbaren Vorzügen und Erfolgen.«

Hermann Stresau arbeitet als Bibliothekar in Berlin, als 1933 die Machtergreifung durch die Nationalsozialisten erfolgt. In seinen Tagebüchern, die der in Amerika geborene Intellektuelle mit der Machtergreifung wieder aufnimmt, entfaltet sich ein intimes Bild der Vorkriegszeit. Ausnehmend klarsichtig schildert er, wie die neuen Machthaber mit der ihnen eigenen Mischung aus geschickt eingesetzter Propaganda, inszenierten Machtdemonstrationen, der skrupellosen Ausübung von Gewalt und einer gut organisierten Bürokratie die Herrschaft absicherten und Stück für Stück ausweiteten. Doch genauso sehr interessiert sich Stresau für sein Umfeld. Reflektiert beschreibt er das Verhalten derjenigen, die sich aus Überzeugung oder Karrieregründen dem System andienen, schildert das Mitläufertum ebenso wie die Gedanken der ihm Gleichgesinnten, die sich den neuen Verhältnissen verweigern. So entsteht ein unvergleichliches Zeitpanorama und Psychogramm der Deutschen. Die Tagebücher wurden von den Herausgebern Peter Graf und Ulrich Faure wiederentdeckt und reichen von 1933–1945. Ein zweiter Band, der die Kriegsjahre umfasst, erscheint im Herbst 2021.


Die Herausgeber Peter Graf und Ulrich Faure zur Editionsgeschichte

Die Originaltagebücher Hermann Stresaus werden gemeinsam mit seinem weiteren Nachlass im Literaturarchiv Marbach verwahrt. Es sind schmucklose schwarze Kladden, in die er handschriftlich seine Beobachtungen und Gedanken niedergeschrieben hat. Aber wer darin zu lesen beginnt, spürt sofort, dass dies keine rein privaten Aufzeichnungen sind; hier möchte jemand die Ereignisse zwischen 1933 und 1945 für die Nachwelt festhalten und Zeugnis ablegen. Und so veröffentlichte Hermann Stresau bereits 1948 unter dem Titel »Von Jahr zu Jahr« eine Auswahl seiner Tagebuchnotizen im Berliner Minerva Verlag. Zu früh, denn so kurz nach dem Krieg stießen seine Erinnerungen auf kein großes Echo. Und vielleicht kann dieses bedeutende literarische Zeitdokument auch erst mit dem heutigen Abstand von mehr als 80 Jahren gewürdigt werden. Die vorliegende Ausgabe vereint in einem ersten Band alle Eintragungen Stresaus und kommentiert sie, auch jene, die er in seiner Erstveröffentlichung aus Platzgründen weggelassen hat.
Peter Graf, Ulrich Faure, Herbst 2020

»Um zu wissen, wie kam, was kommen musste, sollte man Stresaus feinnervige Analysen lesen. Da kämpft einer gleichermassen mit sich wie mit den Zeiten. Es ist ein am eigenen Leben geschulter Doppelblick auf Massenphänomene, deren Varianten sich bis heute wiederholen. Ein Blick auf die Korrumpierbarkeit der Moral, auf Nationalismus und politische Verführbarkeit. [...] ein anschauliches Bild deutscher Privatgeschichte [...] Es ist eine private Geschichte, in der sich Hermann Stresaus Intellekt gänzlich uneitel an den politischen Veränderungen abarbeitete. Der Schriftsteller will sich mit dem System nicht arrangieren, und schon gar nicht sympathisiert er mit seinen Vertretern. [...] Hermann Stresau war einer derer, die während der Nazizeit nicht der politischen Demagogie verfielen, dafür aber umso klarer auf die Verhältnisse schauten.«
Paul Jandl, Neue Zürcher Zeitung, 16. April 2021
Klett-Cotta Herausgegeben von Peter Graf und Ulrich Faure
1. Aufl. 2021, 448 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, 2 Lesebändchen, mit zahlreichen Abbildungen
ISBN: 978-3-608-98329-6
autor_portrait

Hermann Stresau

Hermann Stresau, geboren am 19. Januar 1894 in Milwaukee, wuchs in Frankfurt am Main auf. Ab 1912 studierte er Germanistik und war zwischen 1929 und 1 ...

Peter Graf

Peter Graf, geboren 1967, leitet den »Verlag Das Kulturelle Gedächtnis« und die Verlagsagentur »Walde + Graf«. Publizistisch begibt er sich vor allem ...

Ulrich Faure

Ulrich Faure, Jahrgang 1954, lebt als Herausgeber und Übersetzer aus dem Niederländischen, u. a. von Simon Carmiggelt, Thomas Heerma van Voss, Rob van ...

Weitere Bücher von Hermann Stresau

Als lebe man nur unter Vorbehalt

Tagebücher aus den Kriegsjahren 1939–1945

Weitere Bücher von Peter Graf(als Herausgeber)

Als lebe man nur unter Vorbehalt

Tagebücher aus den Kriegsjahren 1939–1945

Weitere Bücher von Ulrich Faure(als Herausgeber)

Als lebe man nur unter Vorbehalt

Tagebücher aus den Kriegsjahren 1939–1945

Termine alle

  • Fr 23.04
    Tutzing | Tagung
    Die Unschärfe der Welt
    Iris Wolff
    mehr Infos
  • Mi 28.04
    Balzers | Lesung
    Feuer der Freiheit. Die Rettung der Philosophie in finsteren Zeiten
    Wolfram Eilenberger
    mehr Infos
  • Mi 28.04
    Online | Lesung und Gespräch
    Die Unschärfe der Welt
    Iris Wolff
    mehr Infos
alle Termine zu Bücher

Unser Service für Sie

Zahlungsmethoden
PayPal (nicht Abos),
Kreditkarte,
Rechnung
weitere Infos

PayPal

Versandkostenfreie Lieferung
nach D, A, CH

in D, A, CH inkl. MwSt.
 
weitere Infos

Social Media
Besuchen Sie uns bei


www.klett-cotta.de/im-netz
Facebook Twitter YouTube
Newsletter-Abo

Klett-Cotta-Verlag

J. G. Cotta’sche Buchhandlung
Nachfolger GmbH
Rotebühlstrasse 77
70178 Stuttgart
info@klett-cotta.de