Die Furcht des Weisen 1

Die Königsmörder-Chronik. Zweiter Tag. Band 1
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Endlich: Die Fortsetzung, der Band 2 zu »Der Name des Windes« von Patrick Rothfuss

Dieser Band ist der auf »Der Name des Windes« folgende Band 2.

Drei Dinge gibt es, die jeder Weise fürchtet: den Sturm auf hoher See, eine mondlose Nacht und den Zorn eines sanftmütigen Mannes. Verfolgen Sie die Abenteuer von Kvothe, wie er zum größten Magier seiner Zeit wurde.

»Für mich ist "Der Name des Windes" die überzeugendste Fantasy seit Tolkiens "Der Herr der Ringe" ...«
Denis Scheck, ARD, druckfrisch

Eine Intrige zwingt Kvothe die arkanische Universität zu verlassen. Seine Suche nach den sagenumwobenen Chandrian, die seine Eltern getötet haben, führt ihn an den Hof von Maer Alveron, und weiter zu den sturmumwogten Hügeln von Ademre. Schließlich gelangt er in das zwielichtige Reich der Fae, wo er der sagenumwobenen Felurian begegnet, der bisher noch kein Mann widerstehen konnte … Eine Geschichte voller Poesie und Musik, voller Leidenschaft, aber auch voller Intrigen, dunkler Geheimnisse und Magie.

Dieser zweite Band von »Der Name des Windes« steckt wieder voller neuer Geschichten und Ideen von Patrick Rothfuss. Der Band ist daher so umfangreich geworden, dass man ihn teilen musste in zwei Bände -  »Die Furcht des Weisen 1« und >>> »Die Furcht des Weisen 2«.

Mit »Die Furcht des Weisen« legt Patrick Rothfuss den zweiten Teil der Königsmörder-Chronik-Trilogie vor, der in den USA bei Kritikern und Fantasylesern begeistert aufgenommen wurde und schon bald einen der vorderen Plätze in der New York Times Bestsellerliste belegte.

2007 wurde Patrick Rothfuss für seinen Roman »Der Name des Windes« mit dem Quill Award sowie dem Pulishers Weekly Award für das beste Fantasy-Buch des Jahres ausgezeichnet.

Inhaltsverzeichnis
Prolog: Eine dreistimmige Stille 11
1 Apfel und Holunder 13
2 Stechpalme 25
3 Glück 43
4 Teer und Zinn 51
5 Das Eolian 59
6 Liebe 82
7 Zulassungsprüfungen 99
8 Fragen 118
9 Ein höflicher Ton 128
10 Goldener Käfig 135
11 Refugium 152
12 Der schlummernde Geist 166
13 Die Jagd 175
14 Die verborgene Stadt 184
15 Interessante Tatsachen 190
16 Unausgesprochene Furcht 197
17 Zwischenspiel: Rollen 200
18 Wein und Blut 206
19 Gentlemen und Diebe 221
20 Der schalkhafte Wind 230
21 Akkordarbeit 243
22 Schlupf 255
23 Prinzipien 268
24 Klimpern 283
25 Unrechtmäßige Erfassung 287
26 Vertrauen 305
27 Druck 316
28 Feuer fangen 322
29 Lautenraub 328
30 Kostbarer als Salz 330
31 Der Schmelztiegel 346
32 Blut und Asche 350
33 Feuer 358
34 Schmuck 378
35 Geheimnisse 381
36 Wissen 390
37 Ein Platz am Feuer 400
38 Ein wahrer Kern 411
39 Widersprüche 416
40 Puppet 422
41 Zum allgemeinen Wohl 432
42 Buße 439
43 Ohne ein Wort 448
44 Der Fänger 456
45 Dämonische Mächte 468
46 Zwischenspiel: Ein bisschen Musik 473
47 Zwischenspiel: Die Hanf-Verse 480
48 Eine signifikante Lücke 488
49 Der unwissende Edema 495
50 Dem Wind nachjagen 505
51 Die Furcht des Weisen 519
52 Eine kurze Reise 522
53 Die Bastion 524
54 Audienz 530
55 Höflichkeit 536
56 Macht 541
57 Eine Hand voll Eisen 548
58 Auf Freiersfüßen 558
59 Die List 564
60 Mutter der Weisheit 570
61 Taubnessel 584
62 Krise 590
63 Der goldene Käfig 601
64 Flucht 607
65 Ein schönes Spiel 627
66 In Reichweite 632
67 Sprechende Gesichter 637
68 Brot gibt es nicht umsonst 645
69 Tollheit 653
70 Arm in Arm 658
71 Zwischenspiel: Die dreifach verschlossene Truhe 667
72 Pferde 674
73 Blut und Tinte 685
74 Gerüchte 701
75 Gefährten 710
76 Zunder 719
77 Zum güldenen Penny 724
78 Eine andere Straße und ein anderer Wald 733
79 Spuren 747
80 Aussprache 754
81 Der eifersüchtige Mond 759
82 Barbaren 765
83 Mit Blindheit geschlagen 773
84 Auf keiner Karte 782
85 Zwischenspiel: Zäune 787
86 Die kaputte Straße 794
87 Lethani 801
88 Zuhören 820
89 Die Zeit drängt 830
90 Das Zeug zur Legende 837
91 Feuer, Donner und ein gespaltener Baum 847
92 Taborlin der Große 859


Leseprobe
Prolog
Eine dreistimmige Stille

Der Morgen nahte. Das Wirtshaus zum Wegstein lag in Stille, und es war eine dreistimmige Stille.
Der vernehmlichste Teil dieser Stille war umfassend und lastendund verdankte sich dem, was fehlte. Hätte ein Gewittersturm geweht, so hätte Regen auf die Selas-Ranken hinterm Haus getrommelt
und geprasselt. Donnergrollen hätte die Stille wie fallendes Herbstlaub die Straße hinab gescheucht. Hätten sich Reisende in den Zimmern geregt, so hätten sie mit ihrem Gemurmel und Bettengeknarre
die Stille wie halb schon vergessene Träume zum Verschwinden gebracht. Wäre Musik erklungen … aber nein, natürlich erklang keine Musik. All das fehlte, und so blieb es still.
Im Wirtshaus zog ein dunkelhaariger Mann sehr behutsam die Hintertür hinter sich zu. In vollkommener Dunkelheit schlich er durch Küche und Schankraum und die Kellertreppe hinab. Mit der
Leichtigkeit langer Erfahrung wich er dabei Dielen und Stufen aus, die unter seiner Last geknarzt oder geächzt hätten. Seine langsamen Schritte machten auf dem Boden nur das allerleiseste Tapp! Damit fügte er der großen, lastenden Stille seine kleine, verstohlene hinzu.
Daraus entstand ein Gemisch, mit einer gegenläufigen Stimme. Die dritte Stille war weit weniger vernehmlich. Hätte man lange genug gelauscht, so hätte man vielleicht begonnen, sie in der Kälte der Fensterscheiben und der glatt verputzten Wände des Zimmers des Wirts zu erahnen. Sie ruhte in der dunklen Truhe, die am Fußende seines harten, schmalen Bettes stand. Und sie ruhte in den Händen des Mannes, der reglos darauf lag und auf das erste fahle Licht der Morgendämmerung wartete.
Der Mann hatte leuchtend-, ja flammend rotes Haar. Seine Augen blickten dunkel und abwesend, und er lag dort mit der resignierten Miene dessen, der jede Hoffnung auf Schlaf längst aufgegeben hat. Das Wirtshaus gehörte ihm, wie ihm auch die dritte Stille gehörte. Und das war nur recht und billig so, denn sie war die größte der dreifachen Stille und schloss die anderen ein. Sie war so tief und so weit wie der Spätherbst. Sie wog so schwer wie ein großer, vom Fluss glatt geschliffener Stein. Es war der geduldige, blumensichelnde Laut eines Mannes, der darauf wartet zu sterben.

Kapitel 1
Apfel und Holunder

Bast lehnte gelangweilt an dem langen Mahagonitresen. Er sah sich in dem leeren Schankraum um, seufzte und kramte ein sauberes Leinentuch hervor. Dann begann er mit resignierter Miene einen Abschnitt des Tresens zu polieren.
Bald darauf beugte er sich vor und beäugte einen bis dahin übersehenen Fleck. Er schabte mit einem Fingernagel daran herum und runzelte angesichts des Schmierfilms, den sein Finger hinterließ, die Stirn. Sich noch weiter vorbeugend, hauchte er auf die Stelle, so dass sie beschlug, und polierte energisch nach. Dann hielt er inne, hauchte noch einmal aufs Holz und schrieb mit dem Finger ein obszönes Wort in den Dunst.

Dann warf er das Tuch beiseite und ging zwischen den leeren Tischen hindurch zu den breiten Wirtshausfenstern. Dort blieb er einen Moment lang stehen und sah auf die unbefestigte Straße hinaus, die durch die Mitte des Orts verlief.

Er seufzte erneut und fing an, im Raum auf und ab zu gehen. Er bewegte sich mit der beiläufigen Anmut eines Tänzers und der vollkommenen Nonchalance einer Katze. Doch wenn er sich mit den Händen durchs dunkle Haar fuhr, wirkte diese Geste rastlos. Seine blauen Augen blickten unablässig im Raum hin und her, als suchte er nach einem Ausgang. Als suchte er nach etwas, das er nicht schon hunderte Male gesehen hatte. Doch da war nichts Neues. Leere Tische und Stühle. Leere Hocker vor dem Tresen. Auf dem Büfett dahinter ragten zwei mächtige Fässer empor, eines für Whiskey, eines für Bier. Zwischen den Fässern stand ein buntes und vielgestaltiges Flaschensortiment. Und über den Flaschen hing ein Schwert.

Basts Augenmerk richtete sich auf die Flaschen. Er betrachtete sie abwägend, kehrte wieder hinter den Tresen zurück und nahm einen Tonkrug zur Hand.

Er atmete tief ein und wies mit dem Zeigefinger auf die erste Flasche der unteren Reihe. Während er mit dem Finger an der Flaschenreihe entlang fuhr, sang er leise vor sich hin:

Maid und Maibaum. Zwist zu zwein.
Esche. Asche.
Holderwein.

Beim letzten Ton zeigte er auf eine gedrungene, grüne Flasche. Er entkorkte sie, probierte ein Schlückchen und verzog schaudernd das Gesicht. Schnell stellte er die Flasche zurück und nahm stattdessen eine bauchige, rote zur Hand. Auch von deren Inhalt kostete er, bewegte nachdenklich die befeuchteten Lippen aneinander, nickte und goss sich ein ordentliches Quantum ein.

Dann deutete er auf die nächste Flasche und setzte seinen Singsang fort: Frau am Feuer. Mondgesicht. Fichte. Fenster. Kerzenlicht.

Diesmal war es eine klare Flasche mit einer hellgelben Flüssigkeit darin. Bast zog den Korken heraus und kippte sich, ohne zu probieren, einen Schuss in den Krug. Dann stellte er die Flasche beiseite, schwenkte den Krug dramatisch und trank einen tiefen Schluck. Ein Strahlen zeigte sich auf seinem Gesicht, und er schnippte mit dem Finger an die Flasche und ließ sie hell erklingen, eh er seinen Singsang wieder aufnahm:

Bierfass. Barfuß. Stein und Stock. Wind und Wasser –

Eine Diele knarrte, und Bast hob den Blick und lächelte freudig. »Guten Morgen, Reshi.« Der rothaarige Wirt stand am Fuß der Treppe. Er strich sich mit den feingliedrigen Händen über die saubere Schürze und die langen Hemdsärmel. »Ist unser Gast schon wach?«

Bast schüttelte den Kopf. »Hab keinen Mucks gehört.« »Er hat ein paar harte Tage hinter sich«, sagte Kote. »Das hat ihn jetzt wahrscheinlich eingeholt.« Er stutzte, hob den Kopf und schnupperte. »Hast du getrunken?« Die Frage klang eher neugierig als vorwurfsvoll.
»Nein«, sagte Bast.
Der Wirt hob eine Augenbraue.
»Ich habe probiert«, sagte Bast. »Das Probieren geht dem Trinken voraus.«
»Ah«, sagte der Wirt. »Dann hast du dich also bereit gemacht zu trinken?«
»Aber ja«, sagte Bast. »Und zwar bis zum Exzess. Was gibt’s denn hier auch sonst zu tun?« Bast zog seinen Krug unterm Tresen hervor und sah hinein. »Ich hatte auf Holunder gehofft, aber das ist irgendeine Melonenart.« Er schwenkte den Krug und überlegte. »Und irgendwas Würziges.« Er trank noch einen Schluck und kniff nachdenklich die Augen zusammen. »Zimt?«, fragte er und sah sich zu den Flaschenreihen um. »Haben wir überhaupt noch Holunder?«
»Steht da irgendwo«, sagte der Wirt, ohne hinzublicken. »Warte mal kurz, und hör mir zu, Bast. Wir müssen reden. Über das, was du gestern Abend getan hast.«
Bast erstarrte. »Was hab ich denn getan, Reshi?«
»Du hast dieses Mael-Wesen aufgehalten«, sagte Kote.
»Ach so, das.« Bast entspannte sich wieder und machte eine wegwerfende Geste. »Ich hab es nur ein wenig gebremst, Reshi. Weiter nichts.«
Kote schüttelte den Kopf. »Dir war klar: Das ist nicht nur irgendein Verrückter. Und du hast versucht, uns zu warnen. Wenn du nicht so schnell reagiert hättest …«
Bast runzelte die Stirn. »Nicht schnell genug, Reshi. Es hat Shep erwischt.« Er blickte auf den gründlich geschrubbten Dielenboden vor dem Tresen. »Ich mochte Shep.«
»Alle anderen werden glauben, dass uns der Schmiedelehrling gerettet hat«, sagte Kote. »Und das ist wahrscheinlich auch besser so. Ich aber weiß, wie es wirklich war. Wenn du nicht gewesen wärst, hätte dieses Wesen alle hier niedergemetzelt.«
»Ach, Reshi, das stimmt doch nicht«, sagte Bast. »Du hättest es auch im Handumdrehen erledigt. Ich bin dir nur zuvorgekommen.«
Der Wirt tat die Bemerkung mit einem Achselzucken ab. »Der gestrige Abend hat mich nachdenklich gemacht«, sagte er. »Ich überlege, was wir tun könnten, um hier für ein bisschen mehr Sicherheit zu sorgen. Hast du mal ›Die weißen Reiter‹ gehört?«
Bast lächelte. »Das war schon unser Lied, bevor es eures wurde, Reshi.« Er holte Luft und sang mit schöner Tenorstimme:

Sie ritten Pferde wie Schnee so weiß, Die Schwerter und Bögen silbern wie Eis. Sie trugen frische Kränze ums Haupt Mit roten Beeren und grün belaubt.

Mit roten Beeren und grün belaubt. Der Wirt nickte. »Genau an diese Strophe habe ich gedacht. Meinst du, du könntest dich darum kümmern, während ich hier alles vorbereite?«

Bast nickte begeistert und stürmte förmlich hinaus, hielt nur an der Küchentür noch einmal inne. »Ihr fangt aber nicht ohne mich an, ja?«, fragte er besorgt.

»Wir fangen an, sobald unser Gast gefrühstückt hat und bereit ist«, sagte Kote. Als er den Ausdruck auf dem Gesicht seines Schülers sah, ließ er sich ein wenig erweichen. »Du hast also noch ein oder zwei Stunden Zeit, nehme ich an.«

Bast blickte zur Tür hinaus und sah sich dann noch einmal um. Belustigung huschte über das Gesicht des Wirts. »Und ich werd dich rufen, bevor wir anfangen.« Dann machte er eine scheuchende Handbewegung. Jetzt aber los! Der Mann, der sich Kote nannte, ging im Wirtshaus zum Wegstein seiner üblichen Morgenroutine nach. Er bewegte sich wie ein Uhrwerk, wie ein Wagen, der in ausgefurchten Fahrspuren den Weg hinabrollt.

Als Erstes kam das Brot. Er mischte mit den Händen, ohne abzumessen, Mehl, Zucker und Salz. Dann fügte er aus einem Tontopf in der Vorratskammer Sauerteig hinzu, knetete alles gründlich durch, formte die Laibe und stellte sie zum Aufgehen beiseite. Er schaufelte die Asche aus dem Küchenofen und feuerte ihn an.

Als Nächstes ging er in den Schankraum und machte auch in dem schwarzen Kamin Feuer, nachdem er die Asche aus der großen Kaminsohle an der Nordwand gekehrt hatte. Er pumpte Wasser, wusch sich die Hände und holte ein Stück Lammfleisch aus dem Keller. Er hackte frisches Anzündholz, trug Brennholz herein, gab den aufgehenden Broten einen Klaps und stellte sie näher an den nun warmen Ofen.

Und dann gab es mit einem Mal nichts mehr zu tun. Alles war bereit. Alles war sauber und geordnet. Der rothaarige Mann stand hinter dem Tresen, und sein Blick kehrte langsam aus der Ferne zurück und richtete sich auf das Hier und Jetzt, auf das Wirtshaus.

Schließlich verharrte sein Blick bei dem Schwert, das über den Flaschen an der Wand hing. Es war kein sonderlich schönes Schwert, weder reich verziert noch sonst irgendwie auffällig. In gewisser Weise aber wirkte es bedrohlich, wie auch eine hohe Felsklippe bedrohlich wirkt. Es war grau und unbeschädigt und fühlte sich kalt an. Es war so scharf wie zersprungenes Glas. Und in das schwarze Holz der Wandhalterung war ein Wort graviert: Torheit.

Der Wirt hörte schwere Schritte auf dem hölzernen Absatz vor der Eingangstür. Der Türriegel klapperte, gefolgt von lautem Hallo! und Pochen.

»Einen Moment!«, rief Kote. Er eilte zum Eingang und drehte den schweren Schlüssel im blanken Messingschloss.
Graham stand vor ihm, die kräftige Hand zum Anklopfen erhoben. Als er den Wirt erblickte, zeigte sich auf seinem wettergegerbten Gesicht ein Lächeln. »War Bast heute wieder vor dir im Dienst?«, fragte er.
Kote gab ihm ein nachsichtiges Lächeln zur Antwort.
»Er ist ein guter Junge«, sagte Graham. »Bloß ein bisschen wirr im Kopf. Ich dachte, ihr hättet heute vielleicht geschlossen.« Er räusperte sich und blickte zu Boden. »Wäre ja kein Wunder, wenn man bedenkt …«
Kote steckte den Schlüssel in seine Hosentasche. »Wir haben geöffnet – wie jeden Tag. Was kann ich für dich tun?«
Graham trat einen Schritt beiseite und wies mit einer Kopfbewegung auf die Straße, wo auf einem Karren drei Fässer standen. Sie waren nagelneu, aus hellem, poliertem Holz und blanken Metallreifen. »Mir war klar, dass ich heute Nacht kein Auge zukriegen würde, und da hab ich das Letzte schnell für dich zusammengezimmert. Außerdem hab ich gehört, dass die Bentons heute ihre ersten Spätäpfel ausliefern.«
»Danke, das ist sehr freundlich von dir.«
»Schön dicht, darin halten sie den ganzen Winter.« Graham ging hinüber und klopfte stolz an ein Fass. »Es gibt doch nichts besseres als einen Winterapfel, um den Hunger in Schach zu halten«, sagte er und fuhr mit einer Hand über einen blanken Fassreifen. »Ich hab noch nie ein Fass mit Messingreifen gemacht, aber die hier sind mir wirklich gut gelungen. Sag Bescheid, falls sie sich lösen sollten. Dann kümmere ich mich drum.«
»Freut mich, dass es kein allzu großer Umstand war«, sagte der Wirt. »Der Keller ist feucht, und ich fürchte, Eisen würde in ein paar Jahren glatt durchrosten.«
Graham nickte. »Sehr vernünftig«, sagte er. »Nur wenige Leute denken so vorausschauend.« Er rieb sich die Hände. »Hilfst du mir reintragen? Nicht dass ich versehentlich eins fallenlasse und dein Boden eine Schramme abkriegt.«
Sie machten sich an die Arbeit. Zwei Fässer kamen in den Keller, und das dritte trugen sie um den Tresen herum, durch die Küche und weiter in die Vorratskammer.
Anschließend kamen die Männer zurück in den Schankraum, jeder auf seine Seite des Tresens. Einen Moment lang herrschte Schweigen, indes sich Graham in dem leeren Raum umsah. Am Tresen standen zwei Hocker weniger als sonst, und an einer Stelle fehlte ein Tisch. In dem sonst so ordentlichen Schankraum fiel so etwas sofort auf, wie fehlende Zähne in einem Gebiss.
Graham löste den Blick von einem gründlich geschrubbten Bodenabschnitt vor dem Tresen. Er griff in seine Hosentasche und zog zwei stumpfe Eisen-Scherflein hervor, und seine Hand zitterte kaum dabei. »Machst du mir bitte ein kleines Bier, Kote?«, sagte er mit rauher Stimme. »Ich weiß, es ist noch früh, aber ich hab einen langen Tag vor mir. Ich helfe den Murrions bei der Weizenernte.«
Der Wirt zapfte das Bier und stellte es Graham wortlos hin. Der trank es in einem tiefen Zug halb aus. Seine Augen waren gerötet. »Schlimme Sache gestern Abend«, sagte er, ohne Blickkontakt zu suchen, und trank noch einen Schluck.
Kote nickte. Schlimme Sache gestern Abend. Das war wahrscheinlich das Einzige, was Graham über den Tod eines Mannes zu sagen hatte, den er von Kindesbeinen an gekannt hatte. Diese Leute waren vertraut mit dem Tod. Sie schlachteten ihr Vieh selbst. Sie starben an Fieber, an Stürzen oder an nicht heilenden Knochenbrüchen. Der Tod war wie ein unangenehmer Nachbar. Man sprach nicht über ihn, aus Furcht, er könnte davon erfahren und sich zu einem Besuch aufgefordert fühlen.
Außer in Geschichten natürlich. Geschichten über vergiftete Könige oder Duelle oder lang zurückliegende Kriege waren in Ordnung. Sie kleideten den Tod in fremde Gewänder und schickten ihn weit von der eigenen Haustür fort. Ein Kaminbrand oder Krupphusten: Das war beängstigend. Gibeas Gerichtsverfahren aber oder die Belagerung von Enfast: Das war etwas anderes. Das war wie die Gebete oder wie die Beschwörungsformeln, die man vor sich hin murmelte, wenn man nachts allein durch die Dunkelheit ging. Diese Geschichten waren wie die billigen Amulette, die man, nur für alle Fälle, einem Hausierer abkaufte.
»Wie lange bleibt dieser Schreiber denn hier?«, fragte Graham nach einer Weile, und seine Stimme hallte in seinem Bierkrug wider. »Vielleicht sollte ich ein bisschen was aufschreiben lassen, nur für alle Fälle.« Er runzelte die Stirn. »Mein Vater hat immer ›Niederlegungen‹ dazu gesagt. Mir fällt grad nicht ein, wie das wirklich heißt.«
»Wenn’s nur um dein Hab und Gut geht, bezeichnet man das als ›letztwillige Verfügung‹«, sagte der Wirt in sachlichem Ton. »Ansonsten gibt es da auch noch den sogenannten ›Erbvertrag‹.«
Graham hob eine Augenbraue und sah den Wirt an.
»Hab ich jedenfalls so gehört«, sagte der, senkte den Blick und wischte mit einem sauberen weißen Tuch über den Tresen. »Der Schreiber hat so was in der Richtung erwähnt.«
»Erbvertrag …«, murmelte Graham in seinen Krug hinein. »Ich schätze mal, ich werd ihn einfach nur um ein paar Niederlegungen bitten, und er soll dann dafür sorgen, dass das alles seine amtliche Richtigkeit hat.« Er sah zu dem Wirt hinüber. »Andere Leute werden wahrscheinlich auch so was wollen – da die Zeiten nun einmal sind, wie sie sind.«
Einen Moment lang sah es aus, als würde der Wirt gereizt die Stirn in Falten ziehen. Aber nein, er tat nichts dergleichen. Wie er dort hinter dem Tresen stand, sah er genau so aus wie immer und trug seine übliche gelassene, liebenswürdige Miene zur Schau. Er nickte. »Er hat erwähnt, dass er um die Mittagszeit hier seinem Gewerbe nachgehen wird. Die Ereignisse gestern Abend haben ihn ein bisschen mitgenommen. Wenn jemand noch vor der Mittagszeit bei ihm vorstellig werden möchte, wird er wahrscheinlich noch nicht zu sprechen sein.«
Graham zuckte die Achseln. »Das ist egal. Bis zum Mittag wird der Ort ohnehin fast ausgestorben sein.« Er trank noch einen Schluck Bier und sah aus dem Fenster. »Heute ist ein Feldtag, so viel ist mal gewiss.«
Der Wirt schien sich ein wenig zu entspannen. »Er ist übrigens morgen auch noch da. Die Leute müssen sich also nicht alle heute auf ihn stürzen. Man hat ihm in der Nähe von Abbot’s Ford das Pferd geklaut, und jetzt will er sich ein neues beschaffen.«
Graham blickte mitfühlend. »Der Arme. Jetzt in der Erntezeit wird er hier kein Pferd auftreiben, nicht für Geld und gute Worte. Selbst Carter hat für Nelly noch keinen Ersatz gefunden, nachdem ihn dieses Spinnenvieh hinter der alten Steinbrücke angefallen hatte.« Er schüttelte den Kopf. »Es kommt einem nicht recht vor, dass so was hier geschieht, keine zwei Meilen von der eigenen Haustür entfernt. Damals, als –«
Graham hielt inne. »Ach du meine Güte, ich hör mich ja schon an wie mein alter Herr.« Er zog das Kinn ein wenig ein und gab seiner Stimme einen barscheren Klang. »Als ich ein kleiner Junge war, hatten wir noch richtiges Wetter. Der Müller hat den Daumen von der Waage gelassen, und jeder hat sich um seine eigenen Angelegenheiten gekümmert.«
Der Wirt lächelte wehmütig. »Mein Vater hat immer gesagt, das Bier wäre besser gewesen und die Straßen nicht so ausgefahren.«
Graham lächelte kurz, senkte dann aber den Blick, als sei es ihm unangenehm, was er nun sagen würde. »Ich weiß, du bist nicht hier aus der Gegend, Kote. Und das ist schwierig. Manche Leute hier meinen, einer von außerhalb hätte prinzipiell von Tuten und Blasen keine Ahnung.«
Er atmete tief durch und sah den Wirt immer noch nicht wieder an. »Aber ich denke mal, du weißt Sachen, die andere nicht wissen. Du guckst gewissermaßen über den Tellerrand.« Nun sah er wieder hoch, mit ernstem und müdem Blick, die Augen von Schlafmangel umschattet. »Stehen die Dinge wirklich so schlimm, wie’s in letzter Zeit aussieht? Die Straßen so schlecht … Die ewigen Überfälle …«
Graham hatte sichtlich Mühe, nicht schon wieder auf die bewusste Stelle des Fußbodens hinabzusehen. »Die ganzen neuen Steuern rauben einem die letzten Reserven. Die Grayden-Jungs stehen kurz davor, ihren Hof zu verlieren. Und dann dieses Spinnenvieh.« Er trank noch einen Schluck Bier. »Stehen die Dinge wirklich so schlimm, wie’s aussieht? Oder bin ich einfach nur alt geworden, so wie mein alter Herr, und jetzt schmeckt alles ein bisschen bitterer als damals, als ich ein kleiner Junge war?«
Kote wischte eine ganze Weile über den Tresen, als widerstrebte es ihm, darauf zu antworten. »Ich glaube, die Dinge stehen meistens in der einen oder anderen Hinsicht schlimm«, sagte er. »Und es könnte sein, dass nur wir älteren Leute fähig sind, das wahrzunehmen.«
Graham begann zu nicken und runzelte dann die Stirn. »Bloß dass du noch gar nicht alt bist, nicht wahr? Ich vergesse das meist.« Er musterte ihn. »Ich meine: Du bewegst dich wie ein Alter, und du redest wie ein Alter, aber du bist gar kein Alter, nicht wahr? Ich wette, du bist höchstens halb so alt wie ich.« Er sah ihn prüfend an. »Also, wie alt bist du?«
Der Wirt schenkte ihm ein müdes Lächeln. »Alt genug, um mich alt zu fühlen.«
Graham schnaubte. »Aber zu jung, um dich wie ein Alter aufzuführen. Du solltest doch eigentlich draußen rumtollen, den Weibern nachjagen und dich in Schwierigkeiten bringen. Aber darüber zu jammern, dass die Welt auch nicht mehr das ist, was sie mal war – das solltest du uns wirklich alten Leuten überlassen.«
Der alte Zimmermann stand vom Tresen auf und wandte sich zum Gehen. »Wenn wir Mittagspause machen, komm ich wieder und sprech mal mit euerm Schreiber. Und ich werd da nicht der Einzige sein. Viele Leute werden irgendwelche Sachen haben, die sie auf amtliche Weise niedergelegt haben wollen, wenn sich schon mal die Gelegenheit dazu bietet.«
Der Wirt atmete tief ein und langsam wieder aus. »Graham?«
Der wandte sich noch einmal um, die Hand schon an der Tür.
»Das siehst nicht nur du so«, sagte Kote. »Die Dinge stehen schlimm, und ich habe so das Gefühl, dass sie noch schlimmer werden. Es kann auf keinen Fall schaden, sich auf einen harten Winter einzustellen. Und darüber hinaus eventuell dafür zu sorgen, dass man sich nötigenfalls verteidigen kann.« Der Wirt zuckte die Achseln. »Das sagt mir jedenfalls mein Gefühl.«
Graham kniff den Mund zu einem Strich zusammen und nickte knapp. »Tja, dann bin ich froh, dass ich mit diesem Gefühl nicht alleine bin.«
Dann rang er sich ein Lächeln ab und begann sich die Ärmel aufzukrempeln. »Dennoch«, sagte er. »Heu soll man machen, solange die Sonne scheint!«

Bald darauf kamen die Bentons mit einer Wagenladung Spätäpfel. Der Wirt kaufte ihnen die Hälfte ab und war anschließend eine Stunde lang damit beschäftigt, die Äpfel zu sortieren und einzulagern.

Die noch ganz grün und fest waren, kamen in die Fässer im Keller. Er schichtete die Äpfel vorsichtig auf, füllte die Hohlräume mit Sägemehl und nagelte zum Schluss die Fassdeckel drauf. Die reiferen Äpfel wanderten in die Speisekammer, und alle, die irgendwie angeschlagen waren oder braune Stellen hatten, waren verurteilt, zu Apfelmost verarbeitet zu werden. Sie wurden geviertelt und in einen großen, blechernen Waschbottich geworfen.

Während er sortierte und einlagerte, wirkte der rothaarige Mann zufrieden. Doch hätte man genauer hingesehen, so hätte man vielleicht bemerkt, dass sein Blick, während seine Hände beschäftigt waren, in weite Fernen schweifte, und dass aus seinem Gesichtsausdruck, wiewohl er gelassen war, keinerlei Freude sprach. Er summte oder pfiff nicht bei der Arbeit. Und er sang auch nicht dabei.

Als er die Äpfel fertig sortiert hatte, trug er den Bottich zur Hintertür hinaus. Es war ein kühler Herbstmorgen, und hinter dem Wirtshaus befand sich, von einigen Bäumen umschirmt, ein kleiner, privater Garten. Kote kippte eine Ladung geviertelte Äpfel in die hölzerne Presse, die dort stand, und schraubte den Deckel drauf.

Dann krempelte er sich die Ärmel hoch, packte mit seinen langen, anmutigen Händen die Griffe der Presse und zog. Die Presse drückte die Apfelstücke enger zusammen und zerquetschte sie dann. Drehen und neu zupacken. Drehen und neu zupacken.

Wenn jemand zugesehen hätte, hätte der bemerkt, dass Kote nicht die teigigen Arme eines Gastwirts hatte. Während er an den Holzgriffen zog, traten seine Unterarmmuskeln wie Seilstränge hervor. Alte Narben zogen sich kreuz und quer darüber. Die meisten waren blass und dünn wie Risse im Eis. Andere aber waren rot und traten auf der hellen Haut deutlich hervor.
Die Hände des Wirts packten zu und zogen, packten zu und zogen. Man hörte nur das rhythmische Knarren im Holz und das träge Plätschern, mit dem der Most in den darunter stehenden Eimer lief. Das Ganze hatte einen Rhythmus, aber es lag keine Musik darin, und die Augen des Wirts blickten abwesend und freudlos und waren so blassgrün, dass sie fast als grau durchgegangen wären.

Kapitel 2
Stechpalme


Der Chronist kam die Treppe herab und betrat den Schankraum des Wirtshauses zum Wegstein, seine flache Ledermappe über der Schulter. Im Durchgang verharrend, betrachtete er den rothaarigen Wirt, der sich aufmerksam über etwas auf dem Tresen beugte. Der Chronist räusperte sich, als er den Raum betrat. »Es tut mir

leid, dass ich so lange geschlafen habe«, sagte er. »Das ist sonst gar nicht …« Er verstummte, als er sah, was auf dem Tresen stand. »Backt Ihr Kuchen?«

Kote, der gerade vorsichtig mit den Fingerspitzen den Teigrand formte, hob den Blick. »Ja. Wieso?«
Der Chronist öffnete den Mund und schloss ihn wieder. Sein Blick huschte zu dem Schwert hinauf, das grau und still an der Wand hinter dem Tresen hing, und dann zu dem rothaarigen Mann zurück, der behutsam den Teig am Rand einer Backschale betastete. »Was ist es denn für ein Kuchen?«
»Apfelkuchen.« Kote richtete sich auf und schnitt sorgfältig drei Schlitze in die Teigdecke. »Wisst Ihr, wie schwierig es ist, einen wirklich guten Kuchen zu backen?«
»Äh, nein«, gestand der Chronist und sah sich nervös um. »Wo ist denn Euer Gehilfe?«
»Selbst Gott wäre da aufs Geratewohl angewiesen«, sagte der Wirt. »So schwierig ist es. Kuchen backen, meine ich. Man möchte es nicht glauben, aber es gibt da unendlich viel, was man falsch machen kann. Brot backen ist einfach. Suppe kochen auch. Pudding sowieso. Aber Kuchen backen – das ist verzwickt. Und das ist etwas, das einem erst klar wird, wenn man es selbst mal ausprobiert hat.«
Der Chronist nickte vage und schien nicht recht zu wissen, was sonst noch von ihm erwartet wurde. Er nahm seine Mappe zur Hand und legte sie auf einen Tisch.
Kote wischte sich die Hände an der Schürze ab. »Wenn man Äpfel auspresst, um Apfelwein zu machen – kennt Ihr diese Fruchtmasse, die dabei übrig bleibt?«
»Den Trester?«
»Trester«, sagte Kote voller Erleichterung. »So heißt das. Was macht man damit, nachdem man den Saft rausgepresst hat?«
»Aus Traubentrester kann man einen leichten Wein keltern«, sagte der Chronist. »Und wenn man größere Mengen davon hat, kann man auch Öl daraus gewinnen. Apfeltrester aber ist ziemlich nutzlos. Den kann man als Dünger oder Mulch verwenden, er taugt aber für beides nicht besonders gut. Meistens verfüttern ihn die Leute an ihr Vieh.«
Kote nickte nachdenklich. »Es kam mir auch so vor, dass sie den Trester nicht einfach nur wegwerfen. Hier in der Gegend wird alles irgendwie noch weiterverwertet. Trester.« Er sprach es aus, als kostete er das Wort. »Darüber hab ich mir jetzt seit zwei Jahren immer mal wieder den Kopf zerbrochen.«
Der Chronist guckte verdutzt. »Das hätte Euch doch jeder hier im Ort sagen können.«
Der Wirt runzelte die Stirn. »Wenn es etwas ist, das jeder weiß, kann ich es mir nicht leisten, danach zu fragen«, sagte er.
Man hörte eine Tür zufallen und dann ein fröhliches Pfeifen. Bast kam aus der Küche, einen Haufen dorniger Stechpalmenzweige auf den Armen, die in ein weißes Tuch gewickelt waren.
Kote nickte entschlossen und rieb sich die Hände. »Wunderbar. Also wie –« Er kniff die Augen zusammen. »Ist das etwa eins von meinen guten Laken?«
Bast blickte auf das Bündel hinab. »Na ja, Reshi«, sagte er. »Kommt drauf an. Hast du auch schlechte Laken?«
Die Augen des Wirts blitzten kurz wütend, doch dann seufzte er. »Ist ja auch egal.« Er zog einen langen Zweig aus dem Bündel hervor. »Und was machen wir damit?«
Bast zuckte die Achseln. »Ich tappe da selber auch im Dunkeln, Reshi. Ich weiß nur, dass die Reiter der Sithe Stechpalmenkronen trugen, wenn sie Jagd auf die Hauttänzer machten …«
»Wir können hier aber nicht mit Stechpalmenkronen auf dem Kopf herumlaufen«, sagte Kote. »Was sollen denn die Leute denken?«
»Mir doch egal, was diese Bauerndeppen denken«, murmelte Bast und begann, einige der langen, biegsamen Zweige miteinander zu verflechten. »Wenn so ein Hauttänzer in deinen Körper schlüpft, wirst du zu seiner Marionette. Die können einen dazu bringen, dass man sich selbst die Zunge abbeißt.« Er hob sich einen halb fertigen Kranz über den Kopf und probierte, ob er passte. Dabei rümpfte er die Nase. »Piekst.«
»In den Geschichten, die ich gehört habe«, sagte Kote, »konnte man sie mit Stechpalmenzweigen auch in einem Körper gefangen halten.«
»Könnten wir nicht einfach nur etwas Eisen an uns tragen?«, fragte der Chronist. Die beiden Männern hinterm Tresen guckten ihn neugierig an, als hätten sie fast vergessen, dass er auch noch da war. »Es ist ja schließlich ein Faeling-Wesen.«
»Sagt nicht ›Faeling‹«, sagte Bast. »Ihr hört Euch ja an wie ein kleines Kind. Es ist ein Fae-Wesen. Ein Faen, wenn’s sein muss.«
Der Chronist zögerte kurz, ehe er fortfuhr. »Wenn dieses Wesen in den Körper von jemandem schlüpft, der Eisen an sich trägt – würde ihm das nicht wehtun? Würde es nicht sofort wieder herausschlüpfen?«
»Die können einen dazu bringen, dass man sich selbst die Zunge abbeißt«, sagte Bast noch einmal, wie zu einem ganz besonders dummen Kind. »Wenn sie erst mal in einem stecken, reißen sie einem mit der eigenen Hand ein Auge aus. Das geht so einfach, wie man eine Blume pflückt. Wie kommt Ihr darauf, sie könnten sich nicht die Zeit nehmen, einen Armreif oder Ring zu entfernen?« Er schüttelte den Kopf und sah dann auf seine Finger hinab, die geschickt einen weiteren hellgrünen Stechpalmenzweig in den Kranz einflochten. »Und außerdem kommt es überhaupt nicht in Frage, dass ich Eisen trage.«
»Wenn sie aus Körpern einfach so auch wieder herausschlüpfen können«, sagte der Chronist, »wieso hat dann der gestern Abend den Körper dieses Mannes nicht einfach wieder verlassen? Wieso ist er nicht auf einen von uns übergesprungen?«
Einen Moment lang herrschte Schweigen, bis Bast bemerkte, dass die beiden anderen Männer ihn ansahen. »Da fragt Ihr mich?« Er lachte ungläubig. »Keine Ahnung. Anpauen. Die letzten Hauttänzer wurden vor Hunderten von Jahren zur Strecke gebracht. Lange vor meiner Zeit. Ich kenne das nur aus Geschichten.«
»Woher wissen wir dann, dass er nicht übergesprungen ist?«, fragte der Chronist zögernd, als wagte er kaum, das anzusprechen. »Woher wissen wir, dass er nicht immer noch hier ist?« Er saß mit einem Mal ganz starr da. »Woher wissen wir, dass er jetzt nicht in einem von uns steckt?«
»Er scheint gestorben zu sein, als der Körper des Söldners starb«, sagte Kote. »Sonst hätten wir ihn entweichen sehen.« Er sah zu Bast hinüber. »Das sieht doch angeblich aus wie ein dunkler Schatten oder ein Rauchwölkchen, wenn sie aus einem Körper entweichen, nicht wahr?«
Bast nickte. »Und außerdem: Wenn er übergesprungen wäre, hätte er in dem neuen Körper wieder damit angefangen, Leute umzubringen. So machen sie es normalerweise. Sie springen immer weiter über, bis keiner mehr am Leben ist.«
Der Wirt schenkte dem Chronisten ein beruhigendes Lächeln. »Seht Ihr? Vielleicht war es ja gar kein Hauttänzer. Vielleicht war es nur etwas Ähnliches.«
Der Chronist blickte dennoch verunsichert. »Aber wie können wir da sicher sein? Er könnte jetzt in jedem hier im Ort stecken …«
»Zum Beispiel in mir«, sagte Bast ganz unbekümmert. »Vielleicht warte ich nur darauf, dass Ihr einen Moment lang nicht aufpasst, und dann beiße ich Euch in die Brust, direkt über dem Herzen, und sauge Euch das Blut aus. Wie man den Saft aus einer Pflaume saugt.«
Der Chronist kniff den Mund zusammen. »Das ist nicht witzig.«
Bast hob den Blick und warf dem Chronisten ein verwegenes, zähnebleckendes Lächeln zu. Doch etwas stimmte nicht mit diesem Gesichtsausdruck. Er hielt ein wenig zu lange an. Und das Lächeln war ein bisschen zu breit. Und der Blick war dabei nicht direkt auf den Chronisten gerichtet, sondern knapp an ihm vorbei.
Bast hielt für einen Moment inne, und seine Finger flochten nicht mehr flink zwischen den grünen Blättern umher. Er blickte neugierig auf seine Hände und warf dann den halb fertigen Stechpalmenkranz auf den Tresen. Sein Lächeln ging langsam in eine ausdruckslose Miene über, und er sah sich mit stumpfem Blick im Schankraum um. »Te veyan?«, sagte er mit einer seltsamen Stimme, sein Blick nun glasig und verwirrt. »Te-tanten ventelanet?«
Dann stürzte Bast mit erstaunlicher Schnelligkeit hinter dem Tresen hervor auf den Chronisten zu. Der sprang auf und wich panisch zurück. Er stieß zwei Tische und ein halbes Dutzend Stühle um, bis er schließlich über die eigenen Füße stolperte, zu Boden fiel und auf allen Vieren verzweifelt weiter auf die Tür zu kroch.
Und während er kroch, sah sich der Chronist kurz hektisch um, sein Gesicht entsetzt und blass, nur um festzustellen, dass sich Bast lediglich drei Schritte weit fortbewegt hatte. Der dunkelhaarige junge Mann stand neben dem Tresen und krümmte und schüttelte sich vor Lachen. Eine Hand hielt er sich halb vors Gesicht, und mit der anderen zeigte er auf den Chronisten. Er lachte so lauthals, dass er kaum noch Luft bekam. Das ging so weit, dass er sich am Tresen festhalten musste.
Der Chronist war fuchsteufelswild. »So ein Arsch!«, schrie er, während er unter Schmerzen wieder auf die Beine kam. »So ein Arsch!«
Bast lachte immer noch so heftig, dass er kaum Luft bekam, und dabei hob er die Hände und machte halbherzige, krallende Bewegungen, wie ein Kind, das einen Bären nachahmt.
»Bast«, tadelte der Wirt. »Reiß dich mal zusammen.« Doch während Kotes Stimme streng klang, leuchteten seine Augen vor Gelächter. Seine Lippen zuckten, mühten sich krampfhaft, die Mundwinkel unten zu halten.
Ein Bild geknickter Würde, beschäftigte sich der Chronist damit, Tische und Stühle wieder an ihren Platz zu stellen, wobei er sie etwas härter auf den Boden knallen, ließ als nötig gewesen wäre. Als er schließlich an seinen ursprünglichen Tisch zurückgekehrt war, ließ er sich dort steif nieder. Bast war mittlerweile wieder hinter den Tresen zurückgekehrt, atmete tief und konzentrierte sich betont auf die Stechpalmenzweige in seinen Händen.
Der Chronist funkelte ihn an und rieb sich das Schienbein. Bast unterdrückte etwas, das durchaus auch ein Husten hätte sein können.
Kote lachte kurz leise in sich hinein, zog dann einen weiteren Zweig aus dem Bündel und fügte ihn dem langen Strang hinzu, den er flocht. Er hob den Blick und sah zu dem Chronisten hinüber. »Bevor ich’s vergesse: Heute werden einige Leute hierherkommen, um Eure Dienste als Schreiber in Anspruch zu nehmen.«
Der Chronist wirkte überrascht. »Tatsächlich?«
Kote nickte und seufzte gereizt. »Ja. Es hat sich schon rumgesprochen. Es lässt sich also nichts mehr daran ändern. Zum Glück werden heute alle, die zwei gesunde Hände haben, bis zur Mittagszeit auf den Feldern beschäftigt sein. Bis dahin müssen wir uns also –«
Der Wirt brach versehentlich den Stechpalmenzweig entzwei und jagte sich einen Stachel tief in den Daumen. Er zuckte nicht zusammen und fluchte auch nicht, sondern blickte nur finster auf seine Hand, aus der ein leuchtend roter Blutstropfen quoll.
Mit gerunzelter Stirn hielt sich der Wirt den Daumen an den Mund. Alle Heiterkeit war aus seinem Gesicht gewichen, und seine Augen blickten nun dunkel und streng. Er warf den halb fertig geflochtenen Stechpalmenstrang mit einer so betont beiläufigen Geste beiseite, dass es fast schon beängstigend war.
Er sah wieder zu dem Chronisten hinüber, seine Stimme vollkommen ruhig. »Ich wollte damit sagen, dass wir die Zeit bis zu dieser Unterbrechung nutzen sollten. Doch vorher wollt Ihr ja sicherlich noch frühstücken.«
»Wenn es keine allzu großen Umstände macht«, erwiderte der Chronist.
»Nicht im Geringsten«, sagte Kote, drehte sich um und verschwand in der Küche.
Bast sah ihm mit besorgtem Blick hinterher. »Du solltest den Apfelmost vom Ofen nehmen und zum Abkühlen rausstellen!«, rief er ihm nach. »Die letzte Charge war eher Marmelade als Most. Und ich hab ein paar Kräuter gesammelt, während ich unterwegs war. Die liegen auf der Regentonne. Schau sie dir mal an, ob irgendwas davon fürs Abendessen zu gebrauchen ist.«
Nun im Schankraum allein, beäugten sich Bast und der Chronist über den Tresen hinweg. Das Einzige, was man hörte, war das Öffnen und Schließen der Hintertür.
Bast legte letzte Hand an seinen Kranz und betrachtete ihn von allen Seiten. Er hielt ihn sich vors Gesicht, als wollte er daran riechen. Doch stattdessen atmete er tief ein, schloss die Augen und hauchte so zart über die Stechpalmenblätter, dass sie sich kaum regten.
Die Augen wieder öffnend, lächelte Bast entschuldigend und ging zu dem Chronisten hinüber. »Hier«, sagte er und hielt dem sitzenden Mann den Stechpalmenkranz hin.
Der Chronist machte keine Anstalten, ihn entgegenzunehmen.
Basts Lächeln schwand nicht. »Ihr habt das nicht bemerkt, denn Ihr wart ja viel zu sehr damit beschäftigt, Euch zu Boden zu werfen«, sagte er mit leiser, ruhiger Stimme, »aber er hat tatsächlich gelacht, als Ihr Reißaus genommen habt. Drei schöne Lacher aus tiefster Kehle. Er hat so ein wunderbares Lachen. Es ist wie eine Frucht. Es ist wie Musik. Ich hatte es seit Monaten nicht mehr gehört.«
Bast hielt ihm den Stechpalmenkranz erneut hin und lächelte dabei scheu. »Und deshalb ist das für Euch. Ich habe alles, was ich an Grammarie besitze, darauf einwirken lassen, und daher wird es länger frisch und grün bleiben, als man glauben würde. Ich habe die Zweige auf die richtige Weise gesammelt und mit meinen eigenen Händen geflochten.« Er hielt den Kranz ein bisschen weiter ausgestreckt, wie ein nervöser kleiner Junge einen Blumenstrauß. »Hier. Es ist ein Geschenk. Es sind keinerlei Verpflichtungen damit verbunden.«
Zögernd streckte der Chronist eine Hand aus und nahm den Kranz entgegen. Er betrachtete ihn und drehte ihn in den Händen hin und her. Rote Beeren ruhten wie Edelsteine zwischen den dunkelgrünen Blättern, und der Kranz war auf geschickte Weise so geflochten, dass alle Dornen nach außen wiesen. Der Chronist setzte sich den Kranz vorsichtig auf den Kopf, und er saß wie angegossen.
Bast grinste. »Nun huldigt alle dem König Hofnarr!«, rief er, warf die Hände hoch und lachte.
Ein Lächeln spielte um die Mundwinkel des Chronisten, als er den Kranz wieder abnahm. »Heißt das also«, sagte er leise und ließ die Hände auf den Schoß sinken, »dass die Unstimmigkeit zwischen uns beiden beigelegt ist?«
Bast neigte verdutzt den Kopf zur Seite. »Wie meinen?«
Der Chronist blickte beklommen. »Wovon Ihr … heute Nacht gesprochen habt …«
Bast wirkte überrascht. »Oh nein«, sagte er in ernstem Ton und schüttelte den Kopf. »Nein. Ganz und gar nicht. Ihr gehört mir, bis ins Mark Eurer Knochen hinein. Ihr seid ein Werkzeug meines Willens.« Bast warf schnell einen Blick in Richtung Küche, und seine Miene wurde bitter. »Und Ihr wisst ja, was ich mir wünsche. Bringt ihn dazu, sich daran zu erinnern, dass er mehr ist als nur irgendein Gastwirt, der Kuchen backt.« Die letzten Worte spie er buchstäblich.
Der Chronist rutschte unbehaglich auf seinem Sitz umher und wandte den Blick ab. »Ich weiß immer noch nicht, was ich tun soll.«
»Ihr werdet tun, was Ihr könnt«, sagte Bast leise. »Lockt ihn aus sich heraus. Weckt ihn auf.«
Bast legte dem Chronisten eine Hand auf die Schulter, und seine blauen Augen verengten sich kaum merklich. »Ihr werdet ihn dazu bringen, dass er sich daran erinnert. Ihr schafft das.«
Der Chronist zögerte kurz, sah dann auf den Stechpalmenkranz auf seinem Schoß hinab und nickte. »Ich werde tun, was ich kann.«
»Mehr kann man von niemandem verlangen«, sagte Bast und tätschelte ihm freundschaftlich den Rücken. »Wie geht’s denn übrigens der Schulter?«
Der Schreiber ließ sie kreisen, und die Bewegung wirkte deplatziert, da sein übriger Körper dabei reglos verharrte. »Taub. Kalt. Aber sie tut nicht weh.«
»Das war zu erwarten. Ich würde mir an Eurer Stelle keine Sorgen machen«, sagte Bast und schenkte ihm ein ermutigendes Lächeln. »Für Leute wie Euch ist das Leben zu kurz, um sich wegen derlei Kleinigkeiten zu bekümmern.«

Dann wurde gefrühstückt. Kartoffeln, Röstbrot, Tomaten und Eier. Der Chronist langte ordentlich zu, und Bast aß für drei. Kote hantierte geschäftig herum, schaffte noch mehr Brennholz herein, heizte den Backofen weiter an und füllte den Apfelmost in Krüge um.

Er trug eben ein paar dieser Krüge zum Tresen, als draußen, auf dem hölzernen Absatz vor dem Eingang, Stiefelschritte erklangen, so laut, als hätte jemand angeklopft. Dann platzte der Schmiedelehrling zur Tür herein. Kaum sechzehn Jahre alt, war er dennoch einer der größten Männer des Orts und hatte breite Schultern und kräftige Arme.

»Hallo, Aaron«, sagte der Wirt. »Machst du bitte die Tür zu? Draußen staubt’s.«
Während der Schmiedelehrling sich wieder zur Tür umwandte, verstauten der Wirt und Bast den Großteil der Stechpalmenzweige unterm Tresen, wobei sie flink und wortlos zusammenarbeiteten. Als sich der Lehrling wieder zu ihnen umwandte, nestelte Bast gedankenverloren an etwas herum, das ebenso gut auch ein beliebiges, halb fertiges Pflanzengebinde hätte sein können, etwas, womit man bei Langeweile seine Hände beschäftigt.
Aaron schien von all dem nichts zu bemerken und eilte zum Tresen. »Mr. Kote«, sagte er aufgeregt«, könnte ich bitte etwas Reiseproviant bekommen?« Er fuchtelte mit einem leeren Leinensack. »Carter hat gesagt, Ihr wüsstet schon, was damit gemeint ist.«
Der Wirt nickte. »Ich habe Brot und Käse, Wurst und Äpfel.« Er wies zu Bast hinüber, der den Sack nahm und damit in der Küche verschwand. »Geht Carter heute auf Reisen?«
»Wir beide«, erwiderte der Junge. »Die Orrisons wollen heute nach Treya, Hammelfleisch verkaufen, und Carter und mich haben sie als Begleiter angeheuert, weil die Straßen doch so schlecht sind und so.«
»Treya«, sagte der Wirt nachdenklich. »Dann seid ihr ja nicht vor morgen zurück.«
Der Schmiedelehrling legte behutsam einen flachen Silber-Bit auf den polierten Mahagonitresen. »Carter hofft auch, dass er einen Ersatz für Nelly findet. Wenn er aber kein Pferd auftreiben kann, sagt er, wird er wahrscheinlich des Königs Sold annehmen.« Kote hob die Augenbrauen. »Carter will sich anwerben lassen?«
Der Junge lächelte gleichzeitig frohgemut und entschlossen. »Er sagt, ihm bleibt nicht viel anderes übrig, wenn er kein Pferd für sein Gespann auftreiben kann. Er sagt, bei der Armee wird für einen gesorgt, man kriegt was zu essen, kommt viel rum und so.« Während er das sagte, blickten die Augen des jungen Mannes aufgeregt, sein Gesichtsausdruck aber schwankte zwischen der Begeisterung eines Knaben und der Besorgnis eines Mannes. »Außerdem geben sie einem nicht mehr nur einen Silbernobel, wenn man sich anwerben lässt. Heutzutage kriegt man einen Royal, wenn man unterschreibt. Einen ganzen Gold-Royal!«
Die Miene des Wirts verdüsterte sich. »Aber Carter ist der Einzige, der überlegt, zur Armee zu gehen, nicht wahr?« Er sah dem Jungen in die Augen.
»Ein Royal ist viel Geld«, sagte der Schmiedelehrling und ließ ein schüchternes Lächeln aufblitzen. »Und Geld war bei uns immer knapp, seit mein Vater nicht mehr lebt und meine Mutter von Rannish hierher gezogen ist.«
»Und was hält deine Mutter davon, dass du überlegst, zu den Soldaten zu gehen?«
Der Junge machte ein langes Gesicht. »Stellt Euch bitte nicht auf ihre Seite«, sagte er. »Ich dachte, Ihr würdet das verstehen. Ihr seid ein Mann, und Ihr wisst, was ein Mann seiner Mutter schuldig ist.«
»Ich weiß, dass deine Mutter dich lieber wohlbehalten daheim hätte als in einem Zuber voll Goldmünzen zu baden, Junge.«
»Ich hab es satt, ›Junge‹ genannt zu werden«, entgegnete der Schmiedelehrling in scharfem Ton und lief rot an. »Ich kann bei der Armee etwas Gutes tun. Wenn wir die Rebellen erst mal dazu gebracht haben, dem Bußfertigen König Lehnstreue zu schwören, wird es wieder aufwärts gehen. Die ewigen Steuererhebungen werden ein Ende nehmen. Die Bentleys werden ihr Land nicht verlieren. Und die Straßen werden wieder sicher sein.«
Dann nahm er einen grimmigen Gesichtsausdruck an, und einen Moment lang sah er ganz und gar nicht mehr jung aus. »Und dann wird sich meine Mutter nicht mehr solche Sorgen machen müssen, wenn ich nicht daheim bin«, sagte er in dunklem Ton. »Sie wird nicht mehr jede Nacht dreimal aus dem Schlaf schrecken und nachsehen, ob die Fensterläden geschlossen sind und die Tür verriegelt ist.«
Aaron sah dem Wirt in die Augen und richtete sich zu ganzer Größe auf. Er war fast einen Kopf größer als der Wirt. »Manchmal muss ein Mann für seinen König und sein Vaterland einstehen.«
»Und Rose?«, fragte der Wirt.
Der Lehrling wurde rot und sah verschämt zu Boden. Er ließ die Schultern wieder hängen und sank ein wenig in sich zusammen, wie ein Segel, dem der Wind ausgeht. »Mein Gott, wissen denn wirklich alle von uns?«
Der Wirt nickte freundlich lächelnd. »In einem kleinen Ort wie dem hier bleibt nun mal nichts geheim.«
»Also«, sagte Aaron mit Bestimmtheit, »ich mache das auch für sie. Für uns. Mit meinem Sold und dem Geld, das ich gespart habe, kann ich uns ein Haus kaufen oder eine eigene Werkstatt eröffnen, ohne dass ich zu irgendeinem miesen Geldverleiher gehen müsste.«
Kote machte den Mund auf und schloss ihn gleich wieder. Er sah einen tiefen Atemzug lang nachdenklich drein und fragte dann, als ob er seine Worte sehr sorgfältig wählte: »Aaron, weißt du, wer Kvothe ist?«
Der Schmiedelehrling verdrehte die Augen. »Ich bin doch kein Schwachkopf. Wir haben doch gestern Abend erst Geschichten über ihn erzählt, wisst Ihr nicht mehr?« Er sah über die Schulter des Wirts hinweg in Richtung Küche. »Ich muss los. Carter wird schimpfen wie ein Rohrspatz, wenn ich nicht –«
Kote machte eine besänftigende Geste. »Ich schlage dir ein Geschäft vor, Aaron. Du hörst dir an, was ich zu sagen habe, und dafür bekommst du deinen Proviant gratis.« Er schob das Silber-Bit über den Tresen zurück. »Dann kannst du damit in Treya was Schönes für Rose kaufen.«
Aaron nickte vorsichtig. »Also gut, abgemacht.«
»Was weißt du aus den Geschichten, die du gehört hast, über Kvothe? Wie soll er so sein?«
Aaron lachte. »Außer dass er tot ist?«
Kote lächelte matt. »Ja, davon mal abgesehen.«
»Er kannte alle möglichen magischen Geheimnisse«, sagte Aaron. »Er wusste sechs Worte, die er einem Pferd nur ins Ohr flüstern musste, und dann lief das Pferd hundert Meilen weit. Er konnte Eisen in Gold verwandeln und Blitze in einem Einmachglas einfangen, um sie für später aufzuheben. Er kannte ein Lied, das jedes Schloss öffnete, und konnte eine dicke Eichentür mit nur einem Fausthieb einschlagen …«
Aaron verstummte. »Es kommt ganz darauf an, um welche Geschichte es geht. Manchmal ist er der Gute, der edle Held. Einmal hat er mehrere Mädchen vor einer ganzen Horde menschenfressender Ungeheuer gerettet …«
Wieder ein mattes Lächeln. »Ja, ich weiß.«
»… in anderen Geschichten aber ist er ein richtiger Scheißkerl«, fuhr Aaron fort. »Er hat magische Geheimnisse von der Universität geklaut. Deshalb haben sie ihn da rausgeschmissen. Und ›Kvothe der Königsmörder‹ haben sie ihn auch bestimmt nicht genannt, weil er so gut Laute spielen konnte …«
Das Lächeln war verschwunden, aber der Wirt nickte. »Wohl wahr. Aber wie war er denn so?«
Aaron legte die Stirn in Falten. »Er hatte rotes Haar, falls es das ist, was Ihr meint. Das wird in allen Geschichten erwähnt. Und er war ein teuflisch guter Schwertkämpfer. Und echt schlau. Außerdem hatte er eine richtige Silberzunge, konnte sich aus allem und jedem herausreden.«
Der Wirt nickte. »Genau. Also, stell dir vor, du wärest Kvothe – und echt schlau, wie du sagst. Und mit einem Mal wäre dein Kopf für jeden, der ihn abschlägt, eintausend Royals und ein Herzogtum wert. Was würdest du dann tun?«
Der Schmiedelehrling schüttelte den Kopf und zuckte die Achseln, wusste keine Antwort darauf.
»Also, wenn ich Kvothe wäre«, sagte der Wirt, »würde ich meinen Tod vortäuschen, einen anderen Namen annehmen und mir eine kleine Ortschaft irgendwo mitten im Nirgendwo suchen. Da würde ich dann ein Wirtshaus aufmachen und mich ansonsten möglichst unauffällig verhalten.« Er sah den jungen Mann an. »Das ist es, was ich tun würde.«
Aarons Blick huschte zu den roten Haaren des Wirts und hinauf zu dem Schwert, das über dem Tresen hing. Dann sah er dem Wirt wieder in die Augen.
Kote nickte langsam und wies dann auf den Chronisten. »Dieser Mann ist nicht nur ein normaler Schreiber. Er ist eine Art Historiker, und er ist hier, um die wahre Geschichte meines Lebens aufzuzeichnen. Den Anfang hast du verpasst, aber wenn du magst, darfst du gern hierbleiben und dir den Rest anhören.« Er lächelte. »Ich kann dir Geschichten erzählen, die noch niemand je gehört hat. Geschichten, die niemand je wieder hören wird. Geschichten über Felurian und darüber, wie ich bei den Adem zu kämpfen lernte. Die Wahrheit über Prinzessin Ariel.«
Der Wirt legte dem Jungen eine Hand auf den Arm. »Ehrlich gesagt: Ich mag dich, Aaron. Ich halte dich für ungewöhnlich klug, und ich möchte nicht mit ansehen müssen, wie du dein Leben wegwirfst.« Er atmete tief durch und sah dem Schmiedelehrling ins Gesicht. Seine Augen waren von einem erstaunlichen Grün. »Ich weiß, wie dieser Krieg begonnen hat. Ich kenne die Wahrheit darüber. Und wenn du die erst mal gehört hast, wirst du längst nicht mehr so begierig sein, loszulaufen und dafür dein Leben zu lassen.«
Der Wirt wies auf einen der freien Stühle an dem Tisch des Chronisten und lächelte so reizend wie ein waschechter Märchenprinz. »Na, was sagst du dazu?«
Aaron starrte ihn einen ganzen Moment lang an, und dann huschte sein Blick wieder zu dem Schwert hinauf. »Wenn Ihr es wirklich seid …« Er verstummte, aber sein Gesichtsausdruck verwandelte es in eine Frage.
»Ich bin es wirklich«, versicherte ihm Kote.
»… könnte ich dann bitte Euren Mantel sehen, der keine bestimmte Farbe hat?«, fragte der Lehrling und setzte ein Grinsen auf.
Das reizende Lächeln des Wirts wurde so brüchig wie eine gesplitterte Glasscheibe.
»Da verwechselst du Kvothe mit Taborlin dem Großen«, schaltete sich der Chronist ein. »Taborlin besaß diesen Mantel, der keine bestimmte Farbe hatte.«
Aaron wandte sich mit verwirrtem Blick zu dem Schreiber um. »Und was hatte Kvothe?«
»Einen Schattenmantel«, antwortete der Chronist. »Wenn ich mich recht erinnere.«
Der Junge wandte sich wieder zum Tresen um. »Könnt Ihr mir dann Euren Schattenmantel zeigen?«, fragte er. »Oder ein klein wenig Magie? So was wollte ich immer schon mal sehen. Ein bisschen Feuer oder Blitz würde mir schon genügen. Ich will Euch ja nicht erschöpfen.«
Ehe der Wirt darauf antworten konnte, brach Aaron in Gelächter aus. »Ich mache doch bloß Spaß, Mr. Kote.« Er grinste nun wieder, breiter als zuvor. »Aber Himmel Herrgott, einen so guten Lügner wie Euch hab ich wirklich noch nie erlebt. Selbst mein Onkel Alvan konnte so einen Klopper nicht auftischen, ohne dabei auch nur eine Miene zu verziehen.«
Der Wirt senkte den Blick und grummelte etwas Unverständliches vor sich hin.
Aaron griff über den Tresen und legte Kote seine breite Hand auf die Schulter. »Ich weiß, Ihr wollt mir nur helfen, Mr. Kote«, sagte er herzlich. »Ihr seid ein guter Mensch, und ich werde mir das, was Ihr gesagt habt, durch den Kopf gehen lassen. Ich habe es auch nicht eilig, Soldat zu werden. Ich will mir nur klar werden, welche Möglichkeiten mir offen stehen.«
Der Schmiedelehrling schüttelte den Kopf. »Heute morgen versuchen aber auch wirklich alle, mir einen Bären aufzubinden. Ich schwör’s. Meine Mutter hat behauptet, sie hätte die Schwindsucht. Rose hat behauptet, sie wäre schwanger.« Er fuhr sich mit der Hand durchs Haar und kicherte. »Aber Eure war echt mit Abstand die dickste Lüge, das muss ich Euch lassen.«
»Nun ja, weißt du …«, sagte Kote und brachte ein mattes Lächeln zustande, »ich hätte deiner Mutter nicht mehr in die Augen sehen können, wenn ich es nicht wenigstens versucht hätte.«
»Und Ihr hättet es vielleicht sogar geschafft, wenn Ihr es mit etwas versucht hättet, das man eher glauben könnte«, erwiderte der Lehrling. »Aber jeder weiß doch, dass Kvothes Schwert aus Silber war.« Er wies mit einem Blick auf das an der Wand hängende Schwert. »Und es hieß auch nicht ›Torheit‹. Es hieß ›Kaysera, der Dichtermörder‹.«
Da zuckte der Wirt ein wenig zusammen. »Dichtermörder?«
Aaron nickte. »Jawohl. Und Euer Schreiber hat recht. Er hatte sich den Umhang aus Spinnweben und Schatten machen lassen und trug an allen Fingern Ringe. Wie heißt es noch?

An der ersten Hand trug er Ringe aus Stein, Eisen, Bernstein, Holz und Bein.
Nie gesehen –

Der Schmiedelehrling runzelte die Stirn. »Der Rest fällt mir nicht mehr ein. Da war noch irgendwas mit Feuer …«
Der Wirt blickte unergründlich. Er sah auf seine Hände hinab, die auf dem Tresen lagen, und nach kurzem Schweigen rezitierte er: Nie gesehen die Ringe der zweiten Hand. Einer war Blut in fließendem Band, Einer aus Luft, ganz flüsterdünn,
Und der Eisring war fehlerhaft innendrin. Ganz matt schien der Ring aus Feuer bloß, Und der letzte Ring war namenlos.

»Genau«, sagte Aaron und lächelte. »Und von denen habt Ihr keinen hinterm Tresen, oder?« Er stellte sich auf die Zehenspitzen, wie um besser dorthin sehen zu können.

Kote antwortete mit betretenem Lächeln: »Nein. Nein, das kann ich nicht behaupten.«
Beide zuckten zusammen, als Bast den gefüllten Leinensack unsanft auf dem Tresen absetzte. »Das müsste für Carter und dich reichen. Genug Proviant für mehr als zwei Tage«, sagte Bast in schroffem Ton.
Aaron schulterte den Sack und ging zum Ausgang, blieb dann aber noch einmal stehen und sah sich zu den beiden Männern hinterm Tresen um. »Ich bitte wirklich nur sehr ungern um einen Gefallen. Der alte Cob hat gesagt, dass er mal nach meiner Mutter schaut, während ich weg bin, aber …«
Bast kam hinter dem Tresen hervor und begann ihn zum Ausgang zu geleiten. »Es wird ihr gut ergehen, da bin ich mir sicher. Ich schau auch gerne mal bei Rose vorbei, wenn du magst.« Er schenkte dem Schmiedelehrling ein breites, laszives Lächeln. »Nur um sicher zu gehen, dass sie nicht einsam ist oder so.«
»Da wäre ich dir sehr dankbar«, sagte Aaron, und die Erleichterung war ihm anzuhören. »Sie war ziemlich geknickt, als ich gegangen bin. Ein bisschen Trost könnte sie gut gebrauchen.«
Bast hielt beim Öffnen der Wirtshaustür inne und sah den breitschultrigen Jungen fassungslos an. Dann schüttelte er den Kopf und öffnete die Tür zur Gänze. »Gute Reise! Viel Vergnügen in der großen Stadt! Und nicht das Wasser trinken!«
Bast schloss die Tür hinter ihm und lehnte die Stirn ans Holz, als wäre er mit einem Mal sehr erschöpft. »›Ein bisschen Trost könnte sie gut gebrauchen‹?«, wiederholte er ungläubig. »Ich nehme alles zurück, was ich je über die Klugheit dieses Jungen gesagt habe.« Er wandte sich zum Tresen um und deutete anklagend auf die geschlossene Tür. »Das«, sagte er, wie zu dem ganzen Schankraum, »kommt dabei raus, wenn man tagaus tagein mit Eisen zu tun hat.«
Der Wirt kicherte matt und lehnte sich an den Tresen. »So viel zum Thema: meine legendäre Silberzunge.«
Bast schnaubte. »Der Junge ist doch ein Idiot, Reshi.«
»Soll ich mich nun besser fühlen, weil ich nicht in der Lage war, einen Idioten zu überzeugen, Bast?«
Der Chronist räusperte sich leise. »Es scheint mir eher ein Beweis für Eure schauspielerischen Fähigkeiten zu sein«, sagte er. »Ihr habt hier so überzeugend den Wirt gemimt, dass sich die Leute gar nicht vorstellen können, dass Ihr ein anderer seid.« Er wies auf den leeren Schankraum. »Ehrlich gesagt, bin ich erstaunt, dass Ihr bereit seid, Euer Leben hier aufs Spiel zu setzen, nur um zu verhindern, dass dieser Junge zum Militär geht.«
»Da hätte ich nicht viel aufs Spiel gesetzt«, sagte der Wirt. »Denn was ist das schon für ein Leben?« Er richtete sich auf und ging um den Tresen herum zu dem Tisch, an dem der Chronist saß. »Ich bin verantwortlich für jeden Einzelnen, der in diesem blödsinnigen Krieg ums Leben kommt. Ich hatte nur gehofft, ich könnte wenigstens einen retten. Doch anscheinend gelingt mir nicht mal das.«
Er ließ sich dem Chronisten gegenüber auf einem Stuhl nieder. »Womit haben wir gestern aufgehört? Ich möchte mich möglichst nicht wiederholen.«
»Du hattest gerade den Wind herbeigerufen und diesem Ambrose eine gehörige Lektion erteilt«, sagte Bast von der Tür her, wo er immer noch stand. »Außerdem hattest du wegen deiner Liebsten ziemlich heftig herumgeschmachtet.«
Kote hob den Blick. »Ich schmachte nicht herum, Bast.«
Der Chronist nahm seine Ledermappe zur Hand und zog ein Blatt Papier heraus, das zu drei Vierteln mit einer kleinen, präzisen Handschrift gefüllt war. »Ich könnte Euch den letzten Abschnitt vorlesen, wenn Ihr wollt.«
Kote hob eine Hand. »Ich beherrsche Eure Geheimschrift noch gut genug, um es selber zu lesen«, sagte er. »Gebt mal her. Vielleicht bringt das das Erzählgetriebe wieder in Schwung.« Er sah zu Bast hinüber. »Komm und setz dich, wenn du zuhören willst. Ich mag’s nicht, wenn du da rumstehst.«
Bast beeilte sich, Platz zu nehmen, und Kote atmete tief durch und überflog die letzte Seite des gestrigen Tages. Dabei schwieg er eine ganze Weile. Um seinen Mund spielte etwas, das ein Anflug von Missbilligung sein mochte, dann die Andeutung eines Lächelns.
Er nickte nachdenklich, den Blick immer noch auf das Blatt gerichtet. »Ein so großer Teil meines jungen Lebens war dem Bestreben gewidmet, auf die Universität zu gelangen«, sagte er. »Schon bevor meine Truppe ermordet wurde, wollte ich unbedingt dorthin. Bevor ich wusste, dass die Chandrian mehr als nur eine Lagerfeuergeschichte sind. Bevor ich nach den Amyr zu suchen begann.«
Der Wirt lehnte sich auf seinem Stuhl zurück, und seine matte Miene schwand und wich einem nachdenklichen Blick. »Und ich glaubte, wenn ich erst einmal dort wäre, würde alles ganz einfach sein. Ich würde die Magie erlernen und auf alle meine Fragen Antworten erhalten. Ich dachte, es wäre dann alles so einfach wie in einem Märchenbuch.«
Kote lächelte leicht verlegen, was sein Gesicht erstaunlich jung aussehen ließ. »Und das wäre es vielleicht auch gewesen, wenn ich nicht so überaus begabt wäre, mir Feinde zu machen und unnötigen Ärger einzuhandeln. Alles, was ich wollte, war: Meine Musik spielen, meine Seminare besuchen und meine Antworten finden. Alles, was ich wollte, war: die Universität. Und dort bleiben zu dürfen.« Er nickte. »An dieser Stelle sollten wir beginnen.«
Der Wirt gab das Blatt Papier an den Chronisten zurück. Der Chronist strich es glatt, entkorkte sein Tintenfass und tunkte die Feder hinein. Bast beugte sich begierig vor, grinsend wie ein aufgeregtes Kind.
Kvothes strahlende Augen blickten im Raum umher, nahmen alles in sich auf. Er atmete tief durch und ließ plötzlich ein Lächeln aufblitzen, und einen kurzen Moment lang sah er ganz und gar nicht mehr wie ein Gastwirt aus. Seine Augen blickten scharf und strahlend und waren so grün wie frisches Gras. »Seid Ihr bereit?«
»Fantasy vom Feinsten.«
Brigitte, 19.10.2011

»Der Platz neben Tolkien ist jetzt besetzt.«
Brigitte, 3.12.2008

»Ein Fantasyepos, das einen gefangen nimmt ... Ein Autor mit außergewöhnlich vielschichtiger Phantasie, mit ausgeprägtem Sinn für die Transparenz zwischen wirklicher Welt und Parallelwelten, mit großer erzählerischer Gabe, beeindruckender Stilsicherheit (die die deutsche Übersetzung von Jochen Schwarzer und Wolfram Ströle bewahrt) und mit bewundernswerter dramaturgischer Souveränität.«
Siggi Seuss, Süddeutsche Zeitung, 3.8.2012

»Patrick Rothfuss verführt uns in eine Welt, deren Bewohner uns viel näher zu sein scheinen, als wir anfangs glauben.«
Siggi Seuß, Süddeutsche Zeitung, 2.12.2011

»Rothfuss' Epos hält dem Vergleich mit Tolkien stand, nicht zuletzt dank gewitzten Dialogen mitten in raunenden Episoden ...«
Hans ten Doornkaat, NZZ am Sonntag, 28.12.2008

»Ich spreche von echter Magie, Magie, wie Fantasy-Leser sie von Tolkien, J.K. Rowling oder Cornelia Funke kennen. "Der Name des Windes", ein exzeptionell intelligenter Fantasy-Roman von Patrick Rothfuss. ... Für mich ist "Der Name des Windes" die überzeugendste Fantasy seit Tolkiens "Der Herr der Ringe", Roman von Musik und Magie, der sich wie eine Kreuzung aus Bob Dylan und Jack Vance liest.
Also vertrauen Sie mir, ich weiß, was ich tue, und lesen Sie Patrick Rothfuss' "Der Name des Windes".«
Denis Scheck, ARD, druckfrisch, 5.10.2008

»Niemand schreibt derzeit in diesem Genre, in dem sich sonst bloße Aufgedunsenheit gern als Frucht der Fabulierlust ausgibt, so unterhaltsam, schlau und doch der Tradition verbunden wie Rothfuss.«
Stuttgarter Zeitung, 23.12.2011

»"Der Name des Windes" von Patrick Rothfuss, der Auftakt seiner "Königsmörder-Trilogie", ist sehr geeignet, die Vorurteile zu erschüttern. Nicht etwa, weil er erzählerisch radikal modern und heldenfrei von einer nicht feudalen Fantasiewelt erzählen würde. Sondern weil er die Versatzstücke orthodoxer Fantasy zu etwas Lebendigem zusammensetzt. ... Der Amerikaner Rothfuss zeigt, dass konservatives Erzählen nicht stumpfsinnig und mechanisch sein muss.«
Thomas Klingenmaier, Stuttgarter Zeitung, 24.10.2008

»Ein Entwicklungsroman, der in Sachen Witz und auch literarischer Güte durchaus an "Oliver Twist" erinnert und gut mithalten kann.«
Renate Schoch, Neue Presse, 26.11.2011

»Kurz hatte ich erwogen, ab Mitternacht im Schlafsack vor dem Eingang der Buchhandlung zu liegen, der Roman hätte es verdient.«
Maike Maibaum, Neue Rheinzeitung, 7.01.2012

»So voller Poesie und Musik, voller Emotionen, die so sanft daherkommen und doch so tief gehen, dass man sich dem Sog des Erzählten kaum entziehen kann.«
Passauer Neue Presse, 12.01.2012

»Eine Geschichte voller Poesie und Musik, voller Leidenschaft, aber auch voller Intrigen, dunkler Geheimnisse und Magie.«
Szene Köln/Bonn,12/2011

»Ein Buch voller Poesie, Leidenschaft und dunkler Geheimnisse.«
uMag, 02/2012

»Patrick Rothfuss ist mit "Der Name des Windes" und der jetzt erscheinenden Fortsetzung "Die Furcht des Weisen" ein Geniestreich der Erzählkunst gelungen.«
Thorsten Giersch, Handelsblatt, 2.1.2012

»Sprachlich mustergültig übersetzt, wartet erneut ein Buch voller Poesie, stiller, nachdenklicher Momente aber auch voller Spannung und Dramatik auf den Leser, das nahtlos an den Eröffnungsband anknüpft.«
Carsten Kuhr, phantastiknews.de, 31.10.2011

»Intelligent konstruiert, spannend in Szene gesetzt und voll wunderbarere Fantasie und geistreicher Ideen ist "Der Name des Windes" eine Ausnahme wie ein Standardwerk, nicht nur der Fantasy-Literatur. ...«
Judith Leister, games orbit, Dez./Jan. 2008/09

»Nur eines ist sicher. Hätte ich die Möglichkeit, einen Fantasy-Preis zu vergeben, so wäre dieses Buch des Autoren Patrick Rothfuss mein einziger Favorit.«
Der phantastische Bücherbrief, Nr. 500, www.literra.info, 10/2008

»"Der Name des Windes" ist vor allem das Werk eines großartigen und wortgewandten Erzählers, der aus dem Werdegang eines Waisenkindes seinen Stoff rund um liebe, Rache, und die Qualen des Außenseitertums spinnt.«
Badische Neueste Nachrichten, 6.4.2009


»"Der Name des Windes" ist Fantasy, die auch eingeschworene Gegner zu fesseln vermag.«
Jens Poggenpohl, BÜCHER, 2/2009

»Mit "Der Name des Windes" hat Patrick Rothfuss vor drei Jahren einen neuen Qualitätsstandard für Fantasy-Romane gesetzt. ...Stunden und Seiten verfliegen wie im Flug. Und nur darauf kommt es an.«
Christian Endres, Zitty, 16.11.2011

»Diesen Roman liest man eigentlich nicht - man lebt und erlebt ihn. Das Fantasy-Buch des Jahres. Und wahrscheinlich noch weit mehr.«
Christian Endres, Zitty, 20.11.2008

»"Der Name des Windes" ist ganz einfach der beste Fantasyroman der letzten zehn Jahre ...überhaupt eine der besten Geschichten, die im letzten Jahrzehnt erzählt wurden.«
The Onion
Hobbitpresse Aus dem Englischen von Jochen Schwarzer und Wolfram Ströle (Orig.: The Wise Man's Fear)
8. Druckaufl. 2017, 859 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, Vorsatzkarte, Lesebändchen
ISBN: 978-3-608-93816-6
autor_portrait

Patrick Rothfuss

Patrick Rothfuss, geboren 1973 in Wisconsin, unterrichtet als Englisch-Dozent am Stevens Point College in Wisconsin. Die ersten beiden Bände der K...

Weitere Bücher von Patrick Rothfuss

Der Name des Windes

Die Königsmörder-Chronik. Erster Tag

Die Furcht des Weisen 2

Die Königsmörder-Chronik. Zweiter Tag. Band 2

Die Furcht des Weisen 1 und 2

Die Königsmörder-Chronik. 2 Tag. Band 1 und 2. Broschierte Ausgabe


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