Briefe und Begegnungen

Buchdeckel „978-3-608-91077-3
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Wer wirklich wissen will, wer Martin Heidegger war, kommt an Bernhard Welte nicht vorbei.

Auf kaum einen anderen Denker des 20. Jahrhunderts trifft die lakonische Bemerkung über Aristoteles so sehr zu wie auf Martin Heidegger: Er wurde geboren, er dachte und starb. Diese Worte lassen erahnen, daß von einem, wenn nicht dem »größten Philosophen unserer Zeit« (Jean Lacroix) die Rede ist. Martin Heidegger lebte ganz und gar für sein Denken, für einen umstürzenden Neuanfang in der Philosophie, wie er seit Kant nicht mehr gewagt wurde. Aber Heidegger war, ist und bleibt ein schwieriger Denker. Zu seinem perspektivreichen Denken Zugang zu finden erfordert große Anstrengungen.
Aber eine Mühe, die sich lohnt: Mit den vorliegenden Briefen und Aufsätzen liegt nun eine ganz eigene Einführung in das Denken Martin Heideggers vor. Denn der Religionsphilosoph Bernhard Welte wurde für Martin Heidegger zu einem der wichtigsten Gesprächspartner in seinen letzten Jahren vor seinem Tod am 26. Mai 1976. Er bat Bernhard Welte, an seinem Grab zu sprechen, eine Ansprache, die in die vorliegende Sammlung aufgenommen wurde.

Welte setzte sich besonders mit der Situation des Menschen, der Obdachlosigkeit und Geschichtlichkeit menschlicher Existenz auseinander, wie Martin Heidegger sie gekennzeichnet hatte. Die Frage nach dem Nichts und nach Gott rücken immer wieder in den Vordergrund und bezeichnen einen der wichtigsten Denk-Wege Heideggers. 
Leseprobe
(Aus dem Vorwort von Prof. Dr.Dr. Bernhard Casper)

Aus dem Abstand, in welchen die geschehende Geschichte uns als diejenigen stellt, die je nur ihre Zeit haben, werden die großen Gestalten des Denkens deutlicher als die sichtbar, die sie in Wirklichkeit waren und in dem, was sie für die weitergehende Geschichte bedeuten.

Darin, dass Martin Heidegger zu den wenigen Denkern gehört, die in entscheidender Weise nicht nur das Denken des gerade vergangenen Jahrhunderts bestimmten, sondern die zugleich dem künftigen Denken wesentliche neue Möglichkeiten eröffneten, kann heute kein Zweifel mehr sein.

Dazu hat Bernhard Welte denn auch einige wichtige Überlegungen vorgelegt. Der hier veröffentlichte Briefwechsel zwischen Bernhard Welte und Martin Heidegger zeigt, dass Heidegger dieses Zugehen des Philosophen und zugleich des Theologen Welte auf sein Denken keineswegs ablehnte, sondern dass er es akzeptierte. Dieses Akzeptieren schloß die fachliche philosophische Diskussion und einen darin sich ergebenden Dissens freilich durchaus ein. So meint Heidegger die Deutung des "ipsum esse" bei Thomas auf die Seinsfrage hin nicht akzeptieren zu können. Diese Deutungsmöglichkeit ergebe sich vielmehr erst von dem Seinsverständnis des Meisters Eckhart her.

Heute sehen wir, dass insgesamt durch Heideggers "einzige Frage", nämlich die nach dem Sein als dem Sein christlichem Denken nicht nur ein ganz neuer Blick auf die eigene Überlieferung des Denkens ermöglicht wurde, sondern auch ein tieferes Verständnis des Geschicks des "Fehls Gottes", in dem wir uns heute finden. Dieses Geschick gefährdet unsere Menschengeschichte aufs Äußerste.
Klett-Cotta mit einem Vorwort von Bernhard Caspar
1. Aufl. 2003, 191 Seiten, Gebunden
ISBN: 978-3-608-91077-3

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