Auf den ersten Blick

Psychotherapeutische Beziehungen unter dem Mikroskop
Buchdeckel „978-3-608-94388-7

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Das, was zwischen dem Patienten und dem Therapeuten abläuft, ist entscheidend für den Therapieerfolg. Doch was läuft eigentlich ab?

Bei der Beobachtung von Psychotherapien fühlt man sich unweigerlich an die berühmte »Black Box« erinnert. Man erfährt eine Menge darüber, was die Beteiligten denken, fühlen und äußern, doch was genau in ihnen vorgeht, bleibt im Verborgenen. Die mikroskopische Sicht erhellt die inneren Abläufe im interaktiven Geschehen.

Psychiatrische Diagnosen werden oft bereits innerhalb der ersten wenigen Minuten gestellt. Auch die Qualität der Beziehung zwischen Therapeut und Klient entscheidet sich häufig innerhalb ganz kurzer Zeit. Streeck filmte die ersten Sekunden von therapeutischen Begegnungen - das Betreten des Raumes, den ersten Blickaustausch, das körperliche Verhalten - und stellte fest, daß bereits in den allerersten Augenblicken des Aufeinandertreffens nonverbale Szenen ablaufen, die Aufschluß darüber liefern, wie es um die therapeutische Beziehung bestellt ist.

Psychotherapie ist Erzählen und Interaktion. Die Details im Geschehen zwischen Patient und Therapeut, die subtilen Signale, die flüchtigen sprachlichen und körperlichgestischen Mittel sind oft mit bloßem Auge nicht zu erkennen und entziehen sich der bewußten Aufmerksamkeit, und doch scheinen sie ganz bedeutsam für den Therapieverlauf und -erfolg zu sein.

Streeck untersucht diese vielfältigen, feinen Zeichen und verdeutlicht, wie sie unbewußt als Mittel der Kommunikation wirken und welch weitreichende Wirkungen sie auf die Beziehung zwischen Patient und Therapeut haben können. Wie diese beiden Menschen ihre Beziehung erleben, davon hängt offenbar ab, ob eine Behandlung wirksam ist oder nicht.

Inhaltsverzeichnis


Inhaltsverzeichnis

Danksagung

Einleitung: Erzählen und Interaktion

1. Interaktion und die therapeutische Beziehung

2. Sprechen, körperliches Verhalten und die Abwicklung von Interaktion im psychotherapeutischen Behandlungszimmer

3. Sprechen und nichtsprachliches Verhalten im psychotherapeutischen Behandlungszimmer unter dem Mikroskop.
Auf dem Weg zu einer Mikroethnographie von Psychotherapie

4. Das Zusammenspiel von Körperbewegungen, Gesten und dem »Austausch von Worten«

5. Wie psychotherapeutische Diagnosen zustande kommen.
Über Erzählen und Interaktionsregulierung im diagnostischen Interview

6. Der Körper im Blick des anderen. Die Darstellung von Geschlechtszugehörigkeit in psychotherapeutischen Gesprächen am Beispiel von Transsexuellen

7. »Unsere Zeit ist für heute zu Ende, Frau Meier.« Begrüßungen und Verabschiedungen als Grenzenereignisse zwischen therapeutischem Raum und sozialem Alltag

8. »Würde mich schon mal interessieren, wie Ihre Diagnose aussieht.« Übertragung und Widerstand und der Wechsel der Rollen von Sprecher und Zuhörer im psychotherapeutischen Dialog

9. Woher weiß der Psychotherapeut, wie sein Patient seine Intervention aufgenommen hat?

10. Verborgene Wege der Wunscherfüllung

Transkriptionszeichen
Literaturverzeichnis

Anmerkungen

 
»Der Autor sensibilisiert dafür, auch die leisen Töne und nichtsprachlichen Nuancen im therapeutischen Kontakt bewusster wahrzunehmen und zu reflektieren.«
Oliver Kugele, (Psychotherapie im Dialog, 2/2006)

»Streeck untersucht in seinem Buch die interaktionellen Aspekte von Psychotherapie. Daß Psychotherapie einen interaktionellen Prozeß darstellt, ist nicht neu: Interaktion stellt ein wesentliches Merkmal der Definition von Psychotherapie etwa bei Strotzka dar. Neu ist, daß dieses Verständnis in all seinen Konsequenzen durchdacht wird. So schreibt Streeck: »Psychotherapie ist Erzählen und Interaktion, genauer: Erzählen im Kontext von Interaktion« (S. 15). Dabei ist das Verhalten des Patienten mit dem des Therapeuten (und umgekehrt) untrennbar miteinander verknüpft: Das ist die Grundannahme und die »Botschaft« des Buches.
Diese Grundannahme hat mehrere zentrale Implikationen. Unter anderem betrifft sie die Wirkfaktoren der analytisch orientierten Psychotherapie. So läßt sich die Annahme nicht mehr aufrechterhalten, daß das Bewußtmachen verschütteter Kindheitserinnerungen den entscheidenden Wirkfaktor der analytisch begründeten Psychotherapie darstellt. Veränderungen, so Streeck (S. 12), erfolgen nicht in erster Linie über Erzählungen und Deutung, sondern über Interaktion: »Interaktion ist nicht das, was der eine tut und was der andere tut, sondern was der eine im Kontext des Verhaltens des anderen tut und umgekehrt, das Geschehen zwischen ihnen« (S. 85).
Streeck zeigt, wie die grundlegenden Prozesse der Selbst- und der Interaktionsregulierung auch in psychotherapeutischen Behandlungen fortlaufend bewältigt werden müssen: »Therapeutische Prozesse, bei denen das Erzählen vorrangig ist, stehen in erster Linie mit der Selbstregulierung in Verbindung. Dagegen wird das Im-Kontakt-mit-anderen-Sein und dementsprechend auch das Verhältnis von Patient und Psychotherapeut nicht im Erzählen, sondern im Vollzug von Interaktion geregelt« (S. 15).
Die von Streeck vertretene konsequent interaktionistische Sichtweise hat nicht nur Implikationen für die angenommenen Wirkfaktoren der Psychotherapie, sondern z. B. auch für das Rollenverständnis des Psychotherapeuten: »Der Psychotherapeut ist kein Experte für Krankheiten, die er bei dem Patienten erkennt und behandelt, sondern er ist mit dem Patienten in einem Prozeß involviert, der von beiden gemeinsam hergestellt wird. Der Psychotherapeut kann dem Patienten deshalb auch nicht sagen, was bei ihm der Fall ist, sondern er kann nur mit dem Patienten gemeinsam untersuchen, welchen Anteil jeder von ihnen an dem Geschehen im Behandlungszimmer hat« (S. 17). Hieraus folgt, so Streeck, daß kein Standpunkt außerhalb der Beziehung möglich ist. Die Auffassung des Psychotherapeuten als Experten für Krankheiten entspricht dem medizinischen Krankheitsmodell, und Streeck zeigt, daß dies auf den Bereich der Psychotherapie nicht anwendbar ist.
Streecks Untersuchungen lenken den Blick, die Aufmerksamkeit auf das, was sich zwischen Patient und Therapeut abspielt, auf kaum wahrnehmbare Körperhaltungen, flüchtige mimische Veränderungen, feine Nuancen der Modulation der Stimme, angedeutete Blickwendungen, nur Bruchteile einer Sekunde dauernde Unterbrechungen des Sprechens, kaum hörbares Luftholen und Ausatmen, d. h. auf Signale, auf die auch Patient und Psychotherapeut im Kontakt miteinander reagieren.
Streeck entwickelt etwas, was er eine »Mikroethnographie der Psychotherapie« (Kapitel 3) nennt. Damit ist die Frage gemeint, wie Psychotherapie als soziales Geschehen gestaltet wird. Hieraus ergibt sich eine weitere wichtige Implikation: Der Hinweis, so Streeck, daß eine bestimmte Methode der Psychotherapie angewendet wurde, reicht nicht aus, um zu beschreiben, was im Behandlungszimmer tatsächlich passiert. Dies unterscheidet die Psychotherapieforschung entscheidend von der Pharmaforschung. Zur Untersuchung solcher Interaktionsregulierungen eignen sich Videoaufnahmen von Interaktionen besonders gut. Sie können reproduziert und von unterschiedlichen Untersuchern überprüft werden. Öffentliche Darstellungen von Behandlungen beschränken sich dagegen meist auf das, was gesagt wurde, und lassen die Interaktion unter den Tisch fallen. Sie stellen, so Streeck, meist »idealisierte Versionen« des tatsächlichen Geschehens dar.
Sehr plastisch und überzeugend sind die von Streeck gebrachten Beispiele der Interaktionsregulierung. Streeck zeigt, wie Körperbewegung sprachlichen Äußerungen vorausgehen, Bewegung von Therapeut und Patient fließend ineinander übergehen oder Körperbewegungen einen kognitiven Gehalt strukturieren können.
In Kapitel 5 zeigt Streeck, »wie psychotherapeutische Diagnosen zustande kommen«. Er arbeitet heraus, wie flüchtige Signale bei psychiatrischen Diagnosen eine deutlich größere Rolle spielen als bei körperlichen Erkrankungen. Hier zeigt sich erneut die Unangemessenheit des medizinischen Krankheitsmodells für die Psychotherapie. Streeck demonstriert anhand zweier Erstinterviews, daß bereits in den ersten interaktionellen Zügen von Patient und Therapeut die Art der therapeutischen Beziehung in nuce enthalten ist (S. 170).
In Kapitel 6 »Der Körper im Blick des anderen« untersucht Streeck, wie sich die Geschlechtszugehörigkeit in psychotherapeutischen Dialogen am Beispiel des Gesprächs mit einem Transsexuellen darstellt. Streeck untersucht, wie der transsexuelle Patient und die Therapeutin ihr Geschlecht mit dialogisch kontrastierenden Gesten körperlich in Szene setzen - eine faszinierende Darstellung.
Die weiteren Kapiteln befassen sich mit wichtigen Aspekten des psychotherapeutischen Geschehens unter interaktionellen Gesichtspunkten: Im Kapitel über Begrüßungen und Verabschiedungen zeigt Streeck, wie der Therapeut unvermeidlich Stellung zum Verhalten der Patienten nimmt, z.B. wenn der Patient weiterredet, obwohl der Therapeut signalisiert, daß die Stunde zu Ende ist. Die Verabschiedung schildert Streeck als Geschehen in sechs Akten.
Zentrale Prozesse des psychotherapeutischen Geschehens aus psychodynamischer Sicht stellen Widerstand und Übertragung dar. Streeck versteht Widerstand und Übertragung als soziales interaktives Geschehen.
Im Kapitel 9 geht Streeck der wichtigen Frage nach, woher der Therapeut weiß, wie der Patient seine Intervention aufgenommen hat. Seine Antwort: Der Therapeut liest das nachfolgende Verhalten des Patienten als Antwort auf seine Intervention, und auch der Patient versteht seine Reaktion auf die Intervention als Stellungnahme zur Intervention des Therapeuten. Im letzten Kapitel zeigt Streeck, wie unbewußte Wünsche und ihre Erfüllung interaktionell inszeniert werden können.
Fazit: Das Buch von Streeck lenkt die Aufmerksamkeit auf ein bisher vernachlässigten Aspekt der Psychotherapie, nämlich die Regulierung der Interaktion zwischen Patient und Psychotherapeut. Die interaktive Gestaltung des psychotherapeutischen Geschehens zu untersuchen hat sowohl große Bedeutung für die psychotherapeutische Praxis als auch für die Psychotherapieforschung; so etwa bei der Untersuchung von interaktionellen Veränderungen als Indikator für den Behandlungserfolg.
Streecks Buch ist sowohl für erfahrene Psychotherapeuten als auch für Therapeuten in Ausbildung mit Gewinn zu lesen. Dies ist unabhängig davon, welche Therapierichtung vertreten wird, ob es sich um eine psychodynamische, um eine verhaltenstherapeutische oder systemische Behandlung handelt. Interaktionen spielen in allen Psychotherapieformen eine Rolle, unabhängig davon, ob sie dort konzeptualisiert werden oder nicht. Den Blick zu schärfen für das interaktionelle Geschehen ist auch für die Supervision von psychotherapeutischen Behandlungen hilfreich, sowohl für den Supervisor als auch für den Supervisanden.
Das Buch ist trotz der komplexen Materie immer sehr gut lesbar und bemerkenswert klar geschrieben: ein faszinierendes und in seiner Konsequenz überzeugendes Werk.
Falk Leichsenring (Göttingen) aus: Psyche, 1/2005, © Psyche

»... Bei der berühmten, vielzitierten Feststellung Freuds - in der Behandlung gehe nichts anderes vor als Austausch von Worten - war schon lange offenkundig, dass sie kaum als Tatsachenfeststellung gemeint sein konnte, sondern eher wohl als technisch-therapeutische Empfehlung zu werten war. Für alle, denen dieser Umstand entgangen sein sollte, ist das Buch von Ulrich Streeck eine Pflicht-Lektüre. Mit großer Eindringlichkeit macht dieser Text Ernst mit dem interaktionellen Verständnis von Psychotherapie ...«
Horst Kächele (Psychotherapeut, 5/2004)

»Der Autor sensibilisiert dafür, auch die leisen Töne und nichtsprachlichen Nuancen im therapeutischen Kontakt bewusster wahrzunehmen und zu reflektieren.«
Oliver Kugele, (Psychotherapie im Dialog, 2/2006)
Klett-Cotta Fachbuch
1. Aufl. 2004, 309 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, 24 s/w-Abbildungen
ISBN: 978-3-608-94388-7
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Ulrich Streeck

Ulrich Streeck, Prof. Dr. med. habil., M. A., Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Arzt für psychosomatische Medizin und Psychotherapie ist ...

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