Kalte Herzen

Wie das Fernsehen unseren Charakter formt

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Wir leben in Zeiten eines schleichenden Wandels der Gefühlskultur. Das Fernsehen ist der mächtigste Lieferant sozialer Botschaften und Vorbilder, den es je gab, und wird zum heimlichen Erzieher eines neuen Sozialcharakters. Schamgrenzen sinken, öffentliche und private Gefühlsdarstellungen haben Konjunktur. Die einzelnen verändern sich - und das hat Folgen für die gesamte Gesellschaft.

Das tägliche Fernsehprogramm mit seinen Talkshows, Nachrichten, Seifenopern verrät es: Überall nimmt ein neuer Leittypus Gestalt an. Seine Gefühlswelt ist gekennzeichnet durch andauerndes Verlangen nach Aufregung, Oberflächlichkeit und theatralischer Inszenierung, in der Gefühle lediglich dargestellt, aber nicht wirklich empfunden werden. In einer subtilen Betrachtung werden die Hintergründe ausgeleuchtet, vor denen das Fernsehen dieses neue Normalitätsmodell in Szene setzt. Und es werden die fatalen Folgen aufgezeigt, den dieser medial modulierte Sozialtypus für die Politik, das Berufsleben, ja bis in die intimen Verästelungen der Familie hat.

Winterhoff-Spurk benennt die Ursachen für den gesellschaftlichen Wandel und appelliert, den suggestiven Schleichwegen des »heimlichen Erziehers« Fernsehen endlich etwas entgegenzusetzen.

Inhaltsverzeichnis
Vorwort - Eine Warnung . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
1 Verwandte Seelen? - Der Holländermichel und Linda de Mol .. 11
2 Histrio - Der neue Sozialcharakter . . . . . . . . . . 26
3 Marlene Dietrich, Leni Riefenstahl - Über histrionische Mythen . . 46
4 Stars - Idole der Mediengesellschaft . . . . . . . . . 63
5 Fans - Sein wollen wie ein anderer . . . . . . . . . . 77
6 Fernsehfreunde - Parasoziale Beziehungen . . . . . . 89
7 Zuschauen - Dreieinhalb Stunden täglich . . . . . . 97
8 Inhalte - Die Botschaften des Fernsehens . . . . . . . 111
9 Fühlen - Über die Lust an der Erregung . . . . . . . 128
10 Denken - Heimlicher Erzieher Fernsehen . . . . . . . 141
11 Handeln - Lernen am Modell . . . . . . . . . . . . . 158
12 »Couch potatoes« - Die Prägung des histrionischen Charakters . . 165
13 Vereisung - Unterwegs in die Erlebnisgesellschaft . . 182
14 Sozialverhalten - Die unstillbare Sehnsucht nach Stabilität . . 210
15 Was tun? - Medienkompetenz und Bindungssicherheit . .. 238
Dank . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 250
Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 251


Leseprobe
Vorwort - Eine Warnung

Bevor Sie sich auf die Reise in das Innere des nachfolgenden Textes begeben, möchte ich Sie warnen: Dieses Buch will Ihre Haltung zum Fernsehen verändern!

Erwarten Sie also kein medienwissenschaftliches Buch im herkömmlichen Sinne. In wissenschaftlichen Texten ist es aus guten Gründen üblich, die jeweils aktuellen Befunde und Theorien in ihren Schwächen und Stärken gründlich zu diskutieren und auf ihre begrenzte Geltung hinzuweisen. Diese chronische Vorläufigkeit drückt sich in der häufig am Ende wissenschaftlicher Texte zu findenden Formulierung aus: »Further research is needed«. Mit dieser Haltung sind allerdings Medienwissenschaftler in der öffentlichen Diskussion über Medienwirkungen jedem Lobbyisten hoffnungslos unterlegen: Der Interessenvertreter kann einschließlich der Lüge alle kommunikativen Register ziehen, der Wissenschaftler muß immer auch den Zweifel mit thematisieren.

Diese Erfahrung kann den Forscher dazu verführen, sich gar nicht mehr an der öffentlichen Debatte zum Thema Medien zu beteiligen. Umberto Eco hat in seinen Streichholzbriefen ja geschrieben, die erste Pflicht der Intellektuellen sei zu schweigen, wenn sie zu nichts nützten. »Wenn das Haus brennt, kann der Intellektuelle nur versuchen, sich wie ein normaler, vernünftiger Mensch zu verhalten, wie jeder andere auch. Wenn er meint, er habe eine besondere Mission, bildet er sich etwas ein, und wer ihn anruft, ist ein Hysteriker, der die Telefonnummer der Feuerwehr vergessen hat« (Eco, 2000, S. 165). Das kann aber nicht die ganze Lösung sein, werden wir Wissenschaftler doch letztlich dafür bezahlt, »... etwas aus dem Bereich der Natur oder der Gesellschaft ans Licht zu bringen und ... das Entdeckte offenzulegen« (Bourdieu, 1998, S. 18). Und so läßt auch Eco eine Ausnahme von der Pflicht zur Zurückhaltung zu, nämlich dann, »... wenn etwas Schwerwiegendes geschieht und niemand es bemerkt. Nur in solchen Fällen kann sein Appell als ein Alarmruf nützen« (Eco, 2000, S. 166).

Und so etwas Schwerwiegendes geschieht seit einigen Jahren, davon bin ich nach über 20jähriger Forschungs- und Lehrtätigkeit auf dem Gebiet der Medienpsychologie überzeugt: Die Medien, allen voran das Fernsehen, verändern schleichend den Sozialcharakter, also diejenigen psychischen Eigenschaften und Verhaltensweisen, die die Menschen einer bestimmten Epoche und Kultur gemeinsam haben. Das wäre ja nicht weiter schlimm, weil sich der Sozialcharakter - ebenso wie die Gesellschaft selbst - eigentlich immer verändert hat und weiter verändern wird. Wandel allein erregt keine Besorgnis. Aber welche Eigenschaften und Verhaltensweisen durch die Medien manipuliert werden, das läßt schlimme Folgen für den Einzelnen wie für die Gesellschaft befürchten. Es sind kalte Herzen, die da entstehen. Aus diesem Grund ist das Ihnen vorliegende Buch also kein wissenschaftlicher Text, sondern ein Appell. Fernsehen ist ein Psychotonikum fürs Volk, und es wird höchste Zeit, daß wir dies bemerken. Klipp und klar formuliert: »A l'arme!«

Saarbrücken, im Herbst 2004 Peter Winterhoff-Spurk
»Das tägliche Fernsehprogramm mit seinen Talkshows, Nachrichten, Seifenopern verrät es: Überall nimmt ein neuer Leittypus Gestalt an. Seine Gefühlswelt ist gekennzeichnet durch andauerndes Verlangen nach Aufregung, Oberflächlichkeit und theatralischer Inszenierung, in der Gefühle lediglich dargestellt, aber nicht wirklich empfunden werden. ... Winterhoff-Spurk benennt die Ursachen für den gesellschaftlichen Wandel und appelliert, den suggestiven Schleichwegen des heimlichen Erziehers Fernsehen endlich etwas entgegenzusetzen.«
Angelika Fries, ERF Radio, Kulturmagazin Calando, 13.9.2006

»"Kalte Herzen" ist ein sehr detailreiches und informatives Buch, das eine Brücke schlägt zwischen Soziologie und Psychologie. ... Der Text bleibt stets lebendig, anschaulich und auch für Nichtsozialwissenschaftler gut lesbar. ... Doch die Analyse macht deutlich: Wenn wir nicht die Notbremse ziehen und bewusster mit dem Fernsehen umgehen, wachsen vielleicht zunehmend Kinder heran mit einem hervorstechenden Merkmal: dem kalten Herzen.«
Stephanie Hügler, Gehirn & Geist, 5/2005

»Der Autor hätte sicher nichts dagegen, wenn der eine oder andere Leser seinen Schluss zöge und seinen Apparat aus dem Fenster schmisse. Doch damit wäre, so Winterhoff-Spurk, nur ein "Verstärker für individuelle und gesellschaftliche Fehlentwicklungen" außer Kraft gesetzt, also nicht die gesellschaftliche Fehlentwicklung selber, die der Autor im Wesen des Kapitalismus ausmacht. So lange aber weder der Wille zum Fernsehverzicht, noch eine alternative Gesellschaftsordnung zu finden sind, empfiehlt Peter Winterhoff-Spurk Partnertherapien, Fernsehdiät und Medienkompetenz als Lernziel.«
Ulrich Seidler, Berliner Zeitung, 28.2.2005

»... ein Buch, dem man ein größeres Publikum wünschte. Denn inmitten all der unbesorgt frohen Medienbotschaften, in denen Gleichgültigkeit mit Toleranz verwechselt wird und viel zu selten einer fragt, was die zunehmend bizarren Inhalte des deutschen Fernsehens eigentlich bei seinen Zuschauern, zumal bei den jüngeren, noch nicht so gefestigten Menschen anrichtet, schlägt es einen wohltuenden Ton der Besorgnis an. ... Damit sein Buch nicht zu pessimistisch ausklingt, hat er ans Ende seiner Studie die zupackende Frage "Was tun?" gestellt.«
Ulrike Frenkel, Stuttgarter Zeitung, 25.2.2005
Klett-Cotta
4. Aufl. 2011, 271 Seiten, broschiert
ISBN: 978-3-608-94557-7
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Peter Winterhoff-Spurk

Peter Winterhoff-Spurk ist Professor für Psychologie und Leiter der Arbeitseinheit für Medien- und Organisationspsychologie an der Universität des ...

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