Cotta´s kulinarischer Almanach 1999/2000

Buchdeckel „978-3-608-91939-4
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Kulinarische Erlebnisberichte aus den unterschiedlichsten Kulturen - so das Schwerpunktthema im neuen kulinarischen Almanach: Country cooking in den USA, die Vielfalt der Küche in China, Schafschur und Dank-Essen auf Sardinien zum Beispiel, oder ein unvergeßliches Mittagessen von Vincent Klink mit einem jemenitischen Scheich.
Bernd Kreis schreibt über den belgischen Bierdunst und Ulrich Grimm nimmt sich die weniger ehrlichen Gourmet-Restaurants vor. Roswitha Neukock stellt kenntisreich eine anregende Beziehung dar: die zwischen Essen und Malerei (über Koch-Kunst-Bücher). Oskar Pastior plaudert lyrisch über Soljanka, und Peter Rosei hat frische Eindrücke über Essen in Japan mitgebracht. Wichtig ist uns ein Aufsatz über ein kommendes Thema: Regionale Küche (Kurt Maria d´Uccello). Im Schwarzwald treffen wir Otto Jägersberg auf der Suche nach einem seltsamen Pilz, und Sybille Zehle hat uns einen wunderschönen Aufsatz über eine große Schweizer Köchin geschickt.

Weitere Themen: Irische Küche, Austern und Guiness, Bratkartoffel-Verhältnisse; Luther und der Gerstensaft; Endorphine, Lust und Gier; alles, was Sie schon immer über Mandelhörnchen wissen wollten, aber nie zu fragen wagten.
Leseprobe
Madame Bocuse defilierte durchs Lokal, sah nach dem Rechten, jedoch konsequent an uns vorbei. Kellner, feinere Herren als die anwesende männliche Kundschaft, rückten Gläser oder erledigten irgendwelche Verlegensheitsarbeiten. Jeder Tisch war bei drei Obern in Pflege, das Personal in gnadenloser Überlegenheit.

Doch dann: Paul Bocuse nahm uns irgendwann einmal wahr, als konnte er es nicht glauben, er segelte ein, zwei Mal an unserem Tisch vorbei. Dann machte er unversehens fest. War es mein demonstrativ gesegneter Appetit, oder weil meine Frau mit kennerischer Routine ihren Fisch auf dem Teller von den Gräten befreit hatte? Der Meister erkundigte sich. Seine Fragen nach woher und wohin und meiner Profession, beantwortete ich in holprigem Touristenfranzösisch und gestand ihm meine Berufszugehörigkeit.

Er blieb sitzen, gerade deshalb. Welche Ehre, welcher Wahnsinn. Zwischen Schwindelgefüh-len und pulsierendem Hochgefühl gewährter Audienz ging es jetzt ums Ganze. Zwischen Glück und Versagen bei Tisch war mir größte Not, denn der große Paul akzeptierte mich als Kollegen und bot einen Schnaps zur Zwischenverdauung an. Er verfuhr mit seiner spendablen Geste in bester Absicht, mir war es jedoch nicht hilfreich. Den quantitativen Anforderungen eines Gourmetmenüs waren wir kaum gewachsen. Nach dem obligaten Champagneraperitif war eine Flasche Weißwein zu bewältigen, um die Fischvorspeise angemessen zu flankieren, den legendären Loup en crôut. Um mich ja nicht als Landei zu outen, hatte ich eine Granate bestellt, den besten Tropfen, der den Kieseln des Rhonetals entwuchs. Eine Côte Rotie, 13 Volumenprozent. Der Wein war älter als ich und harmonierte zum Entrecôte à la moelle aux truffes besser als zu mir. Nicht anders war es mit dem Banyuls-Süßwein, der später dann zum Dessert gereicht wurde. Frankreich ist nicht das Land der Viertele.

Bocuse überflutete uns mit dammbruchartigem Wortschwall ohne Rücksicht auf Gewähr. Un-ser Französisch hatte gerade mal ausgereicht, die Aperitifempfehlung des Tischkellners zu erahnen. Vorsichtshalber nickte ich beflissen mit schwer werdenden Augenlidern. Der kauen-den Konkurrenz an den anderen Tischen boten wir genug Unterhaltungswert, sie war nach wie vor auf Beobachtungsposten. Ich saß nicht mehr so steif im Sessel wie zu Beginn des „Examens“ - mittlerweile hing ich angedudelt zwischen den Armlehnen, hatte aber trotzdem wenig Wohlbefinden: „Keiner sieht, wenn ich Durst habe, aber alles schaut auf mich, wenn ich besoffen bin.“
Klett-Cotta Halbleinen mit Schutzumschlag, 2 Lesebändchen, Fadenheftung
250 Seiten,
ISBN: 978-3-608-91939-4

Stephan Opitz

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Vincent Klink

Vincent Klink ist Chef des Nobelrestaurants Wielandshöhe über Stuttgart, Autor und Herausgeber zahlreicher Bücher über das Essvergnügen. Beliebt sind ...

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