Familienwelten

Theorie und Praxis von Familienaufstellungen (alter Preis: 26,95 EUR)

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Das Buch bietet eine kompetente Einführung in sozialhistorische, soziologische, systemische und familientherapeutische Sichtweisen von Familie. Es entwickelt ein darauf aufbauendes Konzept für eine gruppen- und kurzzeittherapeutische Arbeitsweise mit Familienaufstellungen, und gibt Einblick in eine methodisch reflektierte Praxis.

»Therapeuten und Beratern, die mit Aufstellungen arbeiten, und jenen, die nicht mit Aufstellungen arbeiten, empfehle ich O. Königs "Familienwelten" als Ressource zum Gebrauch kritischer Auseinandersetzung mit der eigenen Praxis. Auszubildende und potenzielle Kunden können in gleicher Weise davon profitieren.«
Haja (Johann Jakob) Molter (Familiendynamik, Januar 2007)

Um den Diskurs über die Methode auf eine theoretisch breitere Basis zu stellen, werden die Vorstellungen über Familie, die der Aufstellungsarbeit zugrunde liegen, mit relevanten Theorien und einschlägigen Forschungen aus Soziologie und Psychologie und aus der Familientherapie verknüpft. Die ersten vier Kapitel bieten daher eine kompetente Einführung in sozialhistorische, soziologische, systemische und familientherapeutische Sichtweisen von Familie.
In weiteren vier Kapiteln werden die Vorläufer des Verfahrens in Psychodrama und Familienskulptur dargestellt. Die Aufstellungsarbeit wird als ein aktionsorientierter Ansatz der Gruppenpsychotherapie beschrieben, der die Metaphorik des Raumes nutzt, um therapeutische Prozesse anzustoßen. Die Arbeitsweise zielt darauf ab, die eigene Familie im Rahmen einer Gruppe mittels Stellvertreter »aufzustellen«, um dadurch einen schnellen Zugang zur Grunddynamik eines Familiensystems zu eröffnen und Möglichkeiten für korrigierende Erfahrungen zu schaffen. Ziel ist es, über die Einsicht in die Bindungen und Prägungen der Herkunftsfamilie frei zu werden für die eigene Zukunft.
In den letzten vier Kapiteln wird die Vorgehensweise systematisch in ihrem Ablauf dargestellt und als eine strukturierte Form gruppen- und kurzzeittherapeutischer Arbeit beschrieben. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Gestaltung der Leitungsrolle. Mehrere ausführliche Falldarstellungen und zahlreiche kleinere Fallvignetten und geben Einblick in die Praxis.

Inhaltsverzeichnis
Danksagung
Einführung

I. Familie: Verschiedene Sichtweisen

1. Fluchtpunkt und Glücksversprechung: Familie heute
Eine Fallgeschichte: Vier Generationen aus Sarahs Familie
1.1 Familiäre Verarbeitung von sozialem Wandel
- Vom Land in die Stadt - Verbürgerlichung und Intimisierung von Familie
- Vom Kaiserreich zur Republik - Krieg und Nachkriegszeit
1.2 Die Veränderung von Geschlechterrollen
- Patriachalismus, Geschlecht und Arbeitsteilung
- Pluralisierung weiblicher und männlicher Lebensentwürfe
- Liebe und Sexualität
- Sexualität in der Paarbeziehung und die Familialisierung von Sexualität
- Veränderungen in der Machtbalance zwischen Mann und Frau
1.3 Normative Verschreibungen und ihre Wirkungen
- Entraditionalisierung und die Suche nach Orientierung
- Das Mit- und Gegeneinander von alten und neuen
- Vorstellungs- und Gefühlswelten
- Herkunft und Zukunft
1.4 Instabilisierung von Beziehungen
- Vom Single zum Paar zur Familie - und zurück
- Alleinerziehende
- Fortsetzungs- und Patchworkfamilien
- Adoption und außereheliche Kinder
- Reproduktionstechnologie

2. Familie als System von Systemen
Interdependenz und Grenzziehung als Merkmale eines Systems
Der Systemgedanke in der Aufstellungsarbeit
2.1 Das Paarsystem
2.2 Das Elternsystem
2.3 Das Geschwistersystem
2.4 Das Großelternsystem
2.5 Das Geschwistersystem der Eltern
2.6 Frühere und spätere Paar- und Elternsysteme der Eltern

3. Familie als dynamisches Beziehungsfeld
3.1 Mitgliedschaft und Zugehörigkeit
- Eine Fallgeschichte: Die außereheliche Tochter
3.2 Primäre Bindung und Liebe
- Ein Fallgeschichte: Der betrogene Vater
3.3 Die familiäre Ordnung
3.4 Der Austausch von Geben und Nehmen
- Der Austausch im Verhältnis der Generationen
- Der Austausch im Verhältnis der Geschlechter
- Der Austausch innerhalb und zwischen Systemen

4. Konflikte und das Bemühen um Ausgleich
Gerechtigkeit und Gewissen
4.1 Bindung und Ablösung: Generationskonflikte
- Die primäre Triade
- Mißlungene Triangulierung
- Bindungsmodus und Ablösekonflikte
4.2 Eigennutz und Hingabe: Geschlechterkonflikte
- Verrechnungsnotstände
- Dialektik des Sexuellen
4.3 Delegation und Vermächtnis: Systemkonflikte
- Die Übernahme eines nicht erfolgten Ausgleiches
- Der Rücktritt von übernommenen Schulden
4.4 Familiäre Binnenmoral und kulturelles Umfeld: - Umweltkonflikte
- Rigide Systemgrenzen
- Flucht und Migration
- Kriminalität und abweichendes Verhalten
- Durchlässige Systemgrenzen
- Familiäre Gewalt und sexueller Mißbrauch
4.5 Der fremde und der eigene Tod: Existentielle Konflikte
- Eine Fallgeschichte: Der jüngere Bruder stirbt mit sechs Monaten

II. Theorie und Konzept der Aufstellungsarbeit

5. Annäherungen an ein Konzept
5.1 Stationen einer Lerngeschichte
- Anfänge in der Gruppendynamik
- Erste Erfahrungen mit der Aufstellungsarbeit
- Bert Hellinger
- Beginn der eigenen Aufstellungsarbeit und Ausbildung bei den Heidelberger Systemikern
- Auf der Suche nach theoretischen und praktischen Orientierungen
- Die eigene Arbeit heute
5.2 Gruppen- und Aktionsorientierung
- Schwächen und Fallgruben
5.3 Die Externalisierung eines innere Bildes - Jakob L. Moreno
5.4 Familienskulptur und Familienrekonstruktion - Virginia Satir
5.5 Die Weiterentwicklungen der Aufstellungsarbeit
5.6 Die Aufstellungsarbeit als Gruppenverfahren besonderer Art
- Dyadischer Dialog und Komplexitätsreduzierung
- Individuelle und strukturelle Übertragung
- Verlebendigung familiärer Strukturen und Prozesse

6. »Ja, ich merk schon, daß dieses Männliche so in denRaum kommt« - Rekonstruktion einer Aufstellungsarbeit
6.1 Annäherungen an ein Thema
6.2 Informationserhebung
6.3 Das erste Aufstellungsbild
6.4 Ergänzung der Aufstellung
6.5 Umstellungen
6.6 Prozeßarbeit
6.7 Nachklänge
6.8 Ein halbes Jahr später

7. Theoretische Hintergründe
7.1 Phänomenologie
- Wissenschaftsgeschichtliche Hintergründe
- Die phänomenologische Haltung
7.2 Konstruktivismus
7.3 Der Bedeutungsraum von Metaphern
- Körper und Raum als innere und äußere Umwelten im Fluß der Zeit
7.4 Metaphern des Raums
- Die sieben Gebiete des Raumes
- Vorne und Hinten
- Rechts und Links
- Oben und Unten
- Mitte und Horizont
7.5 Der Raum als Ausdruck von Beziehungen
- Raumerleben in der Aufstellungsarbeit
- Zeiterleben in der Aufstellungsarbeit
7.6 Der Raum als Handlungsfeld
- Seinen Platz einnehmen
- Vergangenheit und Zukunft
7.7 Die doppelte Wirklichkeit von Sein und Werden in der Aufstellungsarbeit
- Hinaustreten aus dem externalisierten inneren Bild
- Wiedertreten in ein neues Bild

8. Fallvignetten
8.1 »Dunkle Gedanken, so schwarz wie meine Bluse« - Angelika
- »Ein bißchen ruhen lassen können« - Annäherungen an ein Thema
- »Mein Vater ist mit 17 Jahren in russische Kriegsgefangenschaft gekommen« - Informationserhebung
- »Da liegt ein großer Teil von mir« - Aufstellung und Hinzufügungen
- »Ich danke Dir, daß Du überlebt hast« - Prozessarbeit
- »Ich habe also eigentlich überhaupt gar keine Frauenvorbilder gehabt« - Nachklänge
8.3 »Das Schwere, das so nach dem Boden unten Ziehen« - Marianne
- »Ja, mich verwirrt das jetzt« - vor der Aufstellung
- »Lieber Opa, Du bist mir unheimlich« - die Aufstellung
- »Ich könnte sie alle an die Wand klatschen« - nach der Aufstellung

III.Praxis der Aufstellungsarbeit

9. Rahmungen: Leitungsstil und Gruppenprozeß
9.1 Führen und Geführt werden
9.2 Wissen und Nicht-Wissen
9.3 Mut und Bescheidenheit
9.4 Gegenübertragung und Übertragung
9.5 Gruppenprozeß und Leitungsstil

10. Das Aufbauen einer Aufstellung
10.1 Der richtige Zeitpunkt
1 0.2 Fokussierung und Ausweitung
10.3 Umgang mit Informationen und Gefühlen
10.4 Auswahl der aufzustellenden Personen
10.5 Auswahl der Stellvertreter und das Stellen
10.6 Die Befragung der Stellvertreter
1 0.7 Hinzufügungen und Umstellungen

11. Prozessarbeit in der Aufstellung
11.1 Der Übergang zur Prozeßarbeit und das Einnehmen des Platzes
11.2 Begegnungen
11.3 Arbeit mit Sätzen
11.4 Arbeit mit Ritualen
11.5 Umgang mit Widerstand
11.6 Umgang mit Gefühlen
11.7 »Mutti bitte!« - ein Beispiel
11.8 Beendigung

12. Nach der Aufstellung
12.1 Der Protagonist
12.2 Die Stellvertreter und die Beobachter
12.3Wirkungen und Nachwirkungen

13. Epilog: Auf der Suche nach persönlicher Fundierung - Lösung durch Anerkennung der Bindung

Literaturverzeichnis
»Oliver König fordert in seinem Buch einen Brückenschlag der psychotherapeutischen Aufstellungsarbeit zu den Sozialwissenschaften, um die Theorie und Praxis von Familienaufstellungen in ihrem historischen Entstehungskontext und der gegenwärtigen Anwendung darzustellen. „Die Sozialwissenschaften bieten in dieser Kooperation der Psychotherapie nicht nur ihr Wissen an, z. B. über Familie und Geschlechterbeziehungen, sondern darüber hinaus auch das theoretische Rüstzeug, um über die Grundlagen der eigenen Arbeit und deren kulturelle Funktion zu reflektieren“ (S. 324).
In seiner Auseinandersetzung mit Theorie und Praxis von Familienaufstellungen verfolgt der Autor eine weitere Intention: Er möchte die Methode der Aufstellungsarbeit aus der esoterischen Ecke herausholen und sie auf tragfähige theoretische Füße stellen.
So schreibt O. König zunächst im ersten Teil einen kenntnis- und umfangreichen Abriss über verschiedene Sichtweisen auf die Familie, über Familien als dynamisches Beziehungsfeld sowie über Konflikte innerhalb von Familien und das Bemühen um Ausgleich.
Im zweiten Teil nähert er sich einer Theorie und einem Konzept von Aufstellungsarbeit als „Therapie in der Gruppe“ an und erläutert seine Sicht am Beispiel einer eigenen Arbeit. Er betont die Multiperspektivität der Gruppe und entwickelt eine weitreichende These: „So entsteht in der Multiperspektivität der Gruppe und der Vielfalt der biographischen und familiären Muster allmählich ein Gespür für die Unterscheidung zwischen Wirklichkeiten und Konstrukten, ohne dass dies festgeschrieben oder zu einer Seite hin aufgelöst würde: weder in die Beliebigkeit des Alles-ist-möglich noch in die Vorstellung einer Ordnung, der sich der Einzelne zu unterwerfen habe“ (S. 156).
Das Buch Familienwelten zeichnet die Linien aus der Tradition der Skulptur- und Aufstellungsarbeit, wie sie von Praktikern entwickelt wurde, die sich auf Moreno, Satir, Hellinger und andere beziehen. Ich kenne bisher keine ähnlich fundierte, vergleichbare Darstellung.
O. König flirtet mit systemischen Sichtweisen, rekurriert kritisch auf den Konstruktivismus, würdigt den ausdrücklichen Bezug Luhmanns auf die Phänomenologie, drückt sich aber an einer Kernaussage Luhmanns vorbei. Dieser sieht sich als Systemtheoretiker, weil Systeme in der Realität wirklich existieren, und er sieht sich gleichzeitig als Konstruktivisten, weil man die Welt nur durch Beobachten und Unterscheiden erkennen kann. Erkenntnisse sind Konstrukte, weil Unterscheidungen vom Beobachter kommen, nicht aus der Außenwelt.
König versucht sich von der autoritär-dogmatischen Variante der Aufstellungsarbeit Hellingers und seiner Gefolgsleute abzugrenzen. Auf der berühmten Skala von 1 bis 10 ist ihm das mit 6 gelungen.
Den eigenen Ansatz nennt der Autor in Anlehnung an Bourdieu „genetischen Strukturalismus“. Als Garanten der phänomenologischen Tradition er führt weiter Peter Bergers und Thomas Luckmanns (Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit, 1980) an, um schließlich den Bedeutungsraum von Metaphern - „der Raum wird zur Metapher für Beziehungen“ (S. 207) - in Anlehnung an Alfred Schütz mit dem Verständnis von Wirklichkeit als „alltägliche Lebenswelt“ darzustellen. Die Kernaussage dazu ist: „Die Teilnehmer greifen dabei zurück auf eine universelle Grammatik von Wahrnehmungen und Gefühlen, über die sich die räumlich symbolisierten Beziehungen erschließen“ (S. 146).
Alles gut und schön. Ich erlaube mir eine kleine Übertreibung: Stellen Sie sich vor, in einem Seminar über Phänomenologie im Sommersemester 2006 hätte der Dozent die Gelegenheit gehabt, Edmund Husserl als Gast einzuladen, um ihm das phänomenologische Verfahren räumlicher Darstellungen von Familienbeziehungen vorzustellen. Sieben Menschen werden mit dem Wissen zueinander positioniert, dass sie Beziehungsmuster von Familienmitgliedern (Großeltern, Vater, Mutter, Kinder) in der Vergangenheit darstellen. Nach kurzer Befragung der Protagonisten durch den Dozenten zieht dieser das Fazit, es gehe um die Übernahme eines nicht erfolgten Ausgleiches, um den sich der Teilnehmer, dessen Familie im Raum dargestellt wird, ohne den ursprünglichen Konflikt zu kennen, heute „bemüht“. Husserl sagt in einem Abschlusskommentar, er sei beeindruckt. Es habe sich mal wieder gezeigt, dass jeder Zauberer nur das aus dem Hut holt, was er vorher hineingesteckt hat.
O. König ist sich z. B. in der Kritik Hellingers durchaus dieser Zwiespältigkeit des Verordnens von „Tatsachen“ bewusst, und er kritisiert, dass der Suchprozess nicht mehr zum Thema gemacht wird, Wirklichkeit nicht erfunden, sondern gefunden wird. Wenn man in schlichte räumliche Darstellungen von Familienbeziehungen „harte Fakten“ als Universalien hineinsieht, entfernt man sich nach meinem Verständnis von einem phänomenologischen Vorgehen. Man könnte diesem Dilemma leicht entgehen, wenn man die Karten auf den Tisch legte und nicht so täte, als sei das so, weil es sich so zeigt, sondern man den Kunden ganz schlicht Auffassungen über Familienbeziehungen anbietet, die als Hypothesen für eine neue Sinngebung für Fragen an die eigene Familie dienen können.
König versucht sich in seiner Praxis von dem „Verordnen“ deutlich abzugrenzen. Er bietet seinen „Kunden“ einen weicheren Ansatz. „Ob es sich dabei um Universalien handelt, ist eine immer wieder neu zu klärende Frage, die nicht abschließend zu beantworten ist, jedoch gestellt zu werden lohnt (Tyrell 1978)“ (S. 206). In seiner eigenen Aufstellungspraxis finde ich diese Frage allerdings wenig utilisiert. Seine Überzeugung ist, dass in der Umsetzung des „genetischen Strukturalismus“, „Klient und Therapeut als Coproduzenten einer neuen Geschichte gesehen werden. Der Therapeut bietet keine fertigen Lösungen an, sondern er initiiert und unterstützt Suchprozesse [soweit bin ich einverstanden], indem er auf die „elementaren Strukturen der Verwandtschaft“ [Claude Lévi-Strauss] verweist, deren Wirkungen durchaus jenseits der Willensbekundungen des Einzelnen liegen“ (S. 207). Für die Selbstverständlichkeit im zweiten Teil der Ausführung fehlt mir die Transparenz den Kunden gegenüber. Es könnte alles auch ganz anders sein. Ich bin nicht dagegen, dass man, wie oben schon gesagt, Familienbeziehungen so beschreiben und das Wissen darüber als Rahmen anbieten kann. So zu tun, als zeige sich das in einer Aufstellung, halte ich für mystifizierend.
Der Therapeut lädt hier offensichtlich Kunden ein, an einer Geschichte mitzuschreiben, in deren Rahmen die so genannten Universalien fest eingebettet sind und er mit den Protagonisten die Lösungen erarbeitet. („Mit den Stellvertretern der Kinder zusammen erarbeite ich die Lösung, dass die beiden jüngeren Söhne, die sich von der Last der Vergangenheit nicht so bedroht fühlen, an der Seite des Vaters stehen, die Tochter und der älteste Sohn, die zeitlich gesehen an der Vergangenheit näher dran sind, an der Seite der Mutter“, S. 245.) Aus möglichen Hypothesen werden Festlegungen. Wenn das transparent gemacht wird, können die Kunden sich daran reiben und ihre Geschichte schreiben. Ein Systemiker würde wohl formulieren, er helfe den Kunden, ihre eigenen neuen Geschichten zu schreiben, anstatt als Koautor zu fungieren. Ein Unterschied, der einen Unterschied macht.
Im dritten Teil gibt Oliver König einen lesenswerten Einblick in seine Praxis der Aufstellungsarbeit. In vier Kapiteln mit kurz gefassten Unterpunkten schreibt er über „Rahmungen: Leitungsstil und Gruppenprozess“ (Kap. 9), „Das Aufbauen einer Aufstellung“ Kap. 10), „Prozessarbeit in der Aufstellung“ (Kap. 11) und „Nach der Aufstellung“ (Kap. 11). Gerade diese Praxiskapitel bieten dem Leser die Möglichkeit, das eigene Tun und Handeln bei räumlichen Darstellungen kritisch zu hinterfragen. O. Königs Arbeit bietet einen systematisierten Ansatz, die im Prozess des Aufstellens aus vielen therapeutischen Traditionen gespeisten Handlungsansätze auf die eigene Praxis hin zu befragen.
Einen deutlichen Unterschied sehe ich für mich in der Auffassung, wie Gruppen geleitet werden sollten. O. König leugnet nicht seine Herkunft aus der Gruppendynamik. „Es gehört zum Kern der gruppendynamischen Leitungsrolle, die Erwartungen der Teilnehmer an den Leiter zu enttäuschen und sie durch diese initiale Konfrontation zur Aktivierung ihrer Eigenverantwortung herauszufordern. Die dabei entstehenden bzw. sichtbar werdenden Autoritätsphänomene, Abhängigkeit und Gegenabhängigkeit, Revolte und Flucht, Gruppendruck und Außenseiterrollen sind selbst wieder Bestandteil dessen, was in der Gruppendynamik untersucht wird. [...] Auch die Aufstellungsarbeit zielt mit ihrer aktiven Gestaltung der Leitungsrolle auf eine solche Angstreduzierung ab [...] Vielmehr setze ich die mir zugeschriebene Autorität ein für die Gestaltung des therapeutischen Prozesses, um so die vielfältigen Möglichkeiten der strategischen und suggestiven Vorgehensweisen aus systemischer Therapie und Hypnotherapie nutzen zu können“ (S. 267 f.).
Bei einem auf Selbstorganisation in Gruppen ausgerichteten Leitungsverständnis, das ausdrücklich die Weisheit der Gruppe unter ständiger Vernetzung der Gruppenteilnehmer nutzt, begegnen mir die oben beschriebenen Phänomene kaum, und wenn, werden sie ohne Angst in und mit der Gruppe utilisiert (Molter 2002).
„Familienwelten“ habe ich mit großem Gewinn gelesen. Ein Unbehagen bleibt. O. König wandelte für seine Praxis ein immer wieder zitiertes Postulat von Peter Fürstenau - „psychoanalytisch denken, systemisch handeln“ - für seine Zwecke um: „phänomenologisch wahrnehmen, systemisch-konstruktivistisch denken, flexibel auf eine offene Zukunft hin intervenieren“ (S. 207). Da fehlt mir die Selbstverpflichtung auf philosophische Redlichkeit. Vielleicht verbirgt sich auch hinter einer solchen Auffassung die Sehnsucht nach Substanzialität. Was einige Aufsteller allzu oft ins Lager der Religion, Theologie oder Esoterik treibt. Was O. König auf jeden Fall vermeiden möchte.
Mir ist die Spannung zwischen Tradition und dem Erfinden von Geschichten bei räumlichen Darstellungen durchaus bewusst, ich schließe mich jedoch Derrida mit seiner Formel von der Metaphysik an, von der wir glauben, dass wir sie überwunden haben, die wir aber doch nie hinter uns lassen können. Bei räumlichen Darstellungen lässt sich nach meiner Erfahrung sehr gut etwas von der Tradition Verschiedenes denken, wenn das Denken selbst gerade durch diese Tradition geprägt ist. Das hilft bei den Anliegen und Aufträgen der Kunden zu bleiben (Molter, Nöcker, El Hachimi 2005).
Für den Bau der Brücke zwischen Sozialwissenschaft und Aufstellungsarbeit hat O. König gute Grundlagen geschaffen. Ein Buch über räumliche Darstellungen von Familienbeziehungen mit einer systemisch-konstruktivistischen Ausrichtung steht noch aus.
Therapeuten und Beratern, die mit Aufstellungen arbeiten, und jenen, die nicht mit Aufstellungen arbeiten, empfehle ich O. Königs „Familienwelten“ als Ressource zum Gebrauch kritischer Auseinandersetzung mit der eigenen Praxis. Auszubildende und potenzielle Kunden können in gleicher Weise davon profitieren.«
Haja (Johann Jakob) Molter (Familiendynamik, Januar 2007, www.familiendynamik.de )

»Der Autor bietet für Fachkräfte eine verständliche und differenzierte Einführung in die psychotherapeutische Methode des Familienstellens.«
Katharina Sutter (PFAD, August 2006)

»Familienaufstellungen sind durch die Figur Hellingers einem breiten Publikum bekannt und zum Teil sehr umstritten. Oliver König, Gruppendynamiker und Systemischer Therapeut, setzt sich sehr differenziert mit diesem Ansatz auseinander und stellt seine eigene Version vor, die ohne Mythologie auskommt...
Bei all den plastischen Darstellungen klingt eine Kritik an Hellinger immer wieder an. Im Gegensatz zu ihm sorgt König in seinen Darlegungen für große Transparenz des Vorgehens. Er nutzt eine - wie er belegen kann - Erfolg versprechende Methode, ohne der Gefahr der Mystifizierung zu erliegen, die Hellinger zugeschrieben wird. Es ist eine durchaus kritische Würdigung der Leistungen Hellingers. Als fair empfinde ich, dass König seine eigene Begegnung mit Mitstreitern von Hellinger, mit denen eine aktive und konstruktive Auseinandersetzung anscheinend nicht möglich war, erst an den Schluss des Buches stellt und so Vorurteile beim Lesen nicht geschürt werden. Der Autor zeigt, wie ihn die Arbeit an dem Buch erst verunsicherte, letztendlich jedoch zu einem größeren Bewusstsein führte für das, was er bei der Aufstellungsarbeit tut.
Für alle, die sich für die Arbeit mit Familien und mit Gruppen interessieren und speziell für diejenigen, die Familienaufstellungen als Methode ausprobieren möchten, durch den Medienrummel um Hellinger sich aber davon abhalten ließen, ist dies ein sehr wertvolles Buch, das auch für Diskussionen über die Familienaufstellungen gute Argumente liefert.«
Charlotte von Bülow-Faerber (Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie, 7/2006)

»Mit seinem Buch Familienwelten - Theorie und Praxis von Familienaufstellungen verfolgt Oliver König das Ziel, die Methode der Familienaufstellung aus der esoterischen Ecke herauszuholen und von der umstrittenen Person Bernd Hellingers zu lösen. Dazu stellt er die Familienaufstellung auf eine theoretische, soziokulturelle und psychotherapeutisch praktische Grundlage...
Oliver König gelingt ... eine fundierte und gut gegliederte Übersicht über das Thema Familie und Familienaufstellung. Seine theoretischen Ausführungen sind nicht nur präzise und gut verständlich, sondern auch sehr illustrativ und aufschlussreich. Die Fallbeispiele bieten in ihrer sorgfältigen Aufbereitung einen fundierten Einblick in den Ablauf von Familienaufstellungen und sind gut in die Erläuterung der Vorgehensweise eingebettet. Etwas gewöhnungsbedürftig ist allerdings der manchmal eigenwillige Sprachduktus, mit den häufigen Wortschöpfungen. Insgesamt lässt sich das Buch gut lesen und der Autor erreicht mit seinem Buch, das von ihm selbst gesetzte Ziel, die Familienaufstellung auf eine fundierte theoretische Grundlage zu stellen und von der umstrittenen Person Bernd Hellingers zu lösen. Oliver König gelingt es, die Praxis der Familienaufstellung zum einen im Kontext der Gruppentherapeutischen Arbeit zu erklären und zum anderen sein eigenes Vorgehen anschaulich darzustellen.
Das Buch Familienwelten ist für den interessierten Laien ebenso wie für beruflich interessierte Leser sehr zu empfehlen und bietet Wissenschaftlern ebenso wie Praktiker einen fundierten Einblick in die Theorie und Praxis von Familienaufstellungen. ... Oliver König gelingt mit seinem Buch eine fundierte und gut gegliederte Übersicht über das Thema Familie und Familienstellen.«
Fabienne Becker-Stoll (Gruppenpsychotherapie und Gruppendynamik, Mai 2/2006)

»Familienaufstellungen sind genauso beliebt wie umstritten. Die oftmals emotional aufgeladene Diskussion um Nutzen oder Schaden dieser Technik wird mit Oliver Königs Buch endlich ergänzt durch einen sachlich gehaltenen Beitrag, der in beispielhafter Weise Reflexion und Theorie einerseits mit Erfahrung und Praxis andererseits verbindet. König stellt wissenschaftlich fundiert und dennoch allgemein verständlich Hintergrund, Entwicklung, Konzept und sein eigenes Verständnis der Familienaufstellung vor. Für ihn, dessen praktische Arbeit sich auf die Felder Gruppendynamik und Familienaufstellung konzentriert, ist die Aufstellung ein Gruppenverfahren besonderer Art. Die Besonderheiten dieser Methode beschreibt er analytisch clever und mit Rückgriff auf eine Vielzahl von therapeutischen und sozialwissenschaftlichen Disziplinen. ...
Königs Beitrag ist trotz seiner wissenschaftlichen Fundiertheit und der beeindruckenden Vielzahl von Referenzen zu unterschiedlichen Disziplinen gut zu lesen und anschaulich dargestellt. Verweise im Text und umfassende Literaturliste stellen interessierten LeserInnen einen Fundus von Möglichkeiten zum Weiterlesen bereit. Die Verbindung von Theorie und Praxis ist gelungen, und König überzeugt in beiden Bereichen. Nicht nur sind seine Theoriekenntnisse beeindruckend, auch die Beispiele aus der Praxis sind lehrreich und anregend. Familienwelten ist ein Beispiel für die gelungene Reflexion der eigenen Arbeit, die ja eigentlich zum Professionalitätsverständnis beratender Berufe dazugehört. ...
Es ist dem Buch zu wünschen, dass es im Feld der Aufsteller die ihm gebührende Aufmerksamkeit finden wird, und dass es den von König für so wichtig erachteten Impuls zur kritischen und wissenschaftlichen Reflexion des eigenen Handelns auslöst. König hat seinen Beitrag zur Versachlichung der Auseinandersetzung auf jeden Fall geleistet. Es bleibt zu hoffen, dass eine kritische Würdigung der Aufstellungsarbeit insgesamt mehr Raum finden wird, wenn sich die (positive und negative) Aufregung um diesen Ansatz einmal gelegt hat. So oder so stellt Familienwelten sicher einen Referenzpunkt für die zukünftige Diskussion im Bereich der Familienaufstellungen dar, der das Potential zum Standardwerk hat.«
Ulle Jäger (Forum Supervision, Januar 2006)

»Oliver König bettet die Beschreibung und Grundlegung von Familienaufstellungen in eine ausführliche Analyse heutiger Familiensituationen in unserer Gesellschaft ein, schafft präzise Arbeitsperspektiven und entwickelt ein Ethos für den Leiter von Aufstellungen, von denen sich Hellinger und andere eine Scheibe abschneiden können.«
Norbert Copray (Publik-Forum)
»Raus aus der Esoterik-Ecke ...
Insgesamt gelingt es diesem Buch, die Familienaufstellung als wissenschaftlich vertretbar und für die Praxis nützlich zu beschreiben.«
(Wirtschaft und Weiterbildung, April 2005)
»Das Buch bietet eine konzeptionelle Einführung in die Methode der Familienaufstellung. Um den Diskurs über die Methode auf eine breitere Basis zu stellen und um die Familienaufstellung "aus der esoterischen Ecke zu holen", werden die Vorstellungen über Familie mit einschlägigen Theorien und Forschungen aus Soziologie, Psychologie und Familientherapie verknüpft sowie Vorläufer des Verfahrens dargestellt. Die Aufstellungsarbeit wird als ein aktionsorientierter Ansatz der Gruppenpsychotherapie beschrieben, der "die Metaphorik des Raumes" nutzt, um therapeutische Prozesse anzustoßen. ...
Insgesamt ist diese Buch ein sehr lesenswerter Versuch, das Familienstellen in eine wissenschaftliche Tradition zu stellen ...«
Peter Jaruschewski (Systemische Aufstellungs Praxis, 3/2004, Dezember)
Klett-Cotta Leben lernen Leben Lernen 170
1. Aufl. 2004, 336 Seiten, broschiert
ISBN: 978-3-608-89727-2
autor_portrait

Oliver König

Oliver König (1951), Dr. phil. habil.; Studium der Pädagogik, Soziologie und Psychologie an den Universitäten Köln und Ann Arbor, Michigan (USA); ...

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