Sucht - Eine Herausforderung im therapeutischen Alltag

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Therapie trotz Suchtproblem

Psychische Probleme und süchtiges Verhalten sind häufig eng miteinander verwoben - eine Herausforderung für jeden therapeutisch Tätigen. Das Buch klärt über typische Probleme und Beziehungsdynamiken auf und unterstützt Berater, Therapeuten und Ärzte durch Hintergrundinformationen, Therapiematerialien und viele Beispiele aus der Praxis.

Jeder Psychotherapeut kennt sie: drogen- oder alkoholsüchtige Klienten und Klientinnen, die nicht ihr Suchtproblem in die Therapie geführt hat, sondern andere, oft damit zusammenhängende, Störungen. Gleich, ob die Sucht verschleiert, verleugnet oder zugegeben wird: Die therapeutische Kunst steht vor einer ungleich größeren Herausforderung als bei nichtsüchtigen Patienten.

Ziel des Buches ist es,
- den Blick der Psychotherapeuten für verschleierte Suchtprobleme zu schärfen
- die spezielle Beziehungsdynamik mit süchtigen Patienten zu erhellen
- typische Fallen und Probleme im Umgang mit diesen Klienten zu benennen.

Die Scheu vieler Ärzte und Psychotherapeuten, mit Süchtigen zu arbeiten, kann durch dieses kompetente und erfahrungsgesättigte Buch reduziert werden. Die komplexen Zusammenhänge zwischen psychischen Störungen und süchtigem Verhalten geraten besser als in jedem entzugsorientierten Buch in den Blick. Therapiematerialien wie Arbeitsaufträge und Zielvereinbarungen unterstützen die therapeutische Arbeit konkret.

Inhaltsverzeichnis

1. Das ganz alltägliche Gesicht der Sucht - Vorwort
2. Gehen Sie »auf Start«
3. Ein Zahn, der gezogen werden muss - Theorie ist Silber, menschliche Haltung ist Gold
4. Das Phänomen: Süchtige Abhängigkeit oder süchtig abhängiges Verhalten
- Abhängigkeit ist omnipräsent
5. Diagnostische Leitlinien: Pragmatik und Realität
- Ein Risiko: Das Verfehlen der User
6. »Schuld sind immer die Anderen«. Individuelle wie kollektive Abwehrbündnisse in der süchtigen Gesellschaft
- Macht als Droge
- »Ich verliere, also bin ich«
- Suchtverhalten - ein privates oder ein kollektives Phänomen?
7. Die frühe Störung - Mythos und Wirklichkeit
8. Weniger ist mehr:
Ein roter Faden in der Sucht für Theorie und Praxis
9. Das positive (sucht)therapeutische Alphabet
10. Was macht die Sucht so mächtig? -
Die Eigendynamik der süchtigen Beziehungsstruktur und wirksame »Antidotes«
10.1 Die Kunst der Tarnung: Verwirrspiel durch die unbestimmte Vieldeutigkeit der Information
- Aus dem therapeutischen Abc: Vertrauen auf das eigene Gefühl
10.2 Beziehungssprengstoff: Extreme Gefühle, zum Zerreißen gespannt
- Elternaufträge
- Aus dem therapeutischen Abc: Beständigkeit und Langmut
10.3 Lebensverneinung: Rückzug durch Verengung der Räume
- Cannabis gegen die Ungerechtigkeit der Welt
Aus dem therapeutischen Abc: Lebensbejahung und Weitsicht
10.4 Innere Wüste: Das Verlorengeben der Glücksfähigkeit
- »Set« und »Setting«
- Rauschmittel als Zwitterwesen
- Aus dem therapeutischen Abc: Taktgefühl und Zuwendung
10.5 Verächtlichkeit: Die Preisgabe von Werterfahrung
- Aus dem therapeutischen Abc: Positionierung im Alltäglichen
10.6 Ohnmächtigkeit: Die verheerende Macht der Hilflosigkeit
- Helferfalle und Pyrrhussieg
- Aus dem therapeutischen Abc: Vertrauen und Zutrauen
10.7 Grenzverletzung: Die Macht der chronifizierten Übergriffigkeit
- Die Falle der narzisstischen Kränkbarkeit
- Aus dem therapeutischen Abc:
Abgrenzung, Wertschätzung und Abstinenz von negativer Diagnostik
10.8 Hochrisiko: Machtvorbehalt und Machtspiele
- Aus dem therapeutischen Abc: Machttauglichkeit
- Das Spiel der Spiele oder: Mehren, was wirkt
10.9 Ansteckungsgefahr: Das süchtige Virus
- Aus dem therapeutischen Abc: Achtsamkeit
10.10 Eskalation: Die Spaltung
Aus dem therapeutischen Abc: Klarheit und Allparteilichkeit
10.11 Rache am Leben: Selbst- und Fremdzerstörung
- Kein Gefühl für das Risiko
- Die Falle der Erpressbarkeit
- Die mächtigste aller Drohungen: »Ich bringe mich um«
- Aus dem therapeutischen Abc: Konsequenz und Mitgefühl
11. Der Gegner in der Praxis: Grundlegende Aspekte des suchttherapeutischen Handelns
11.1 Die Scheu von Ärzten und Therapeuten vor Suchtpatienten
11.2 Es liegt etwas in der Luft: Atmosphärisches, Verdecktes und Verdächtiges
11.3 Der Arbeitsplatz: Setting für Körper und Seele Fantasiereise: »Mein ruhender Pol«
11.4 Mindestanforderungen vor Behandlungs- oder Therapiebeginn
- Spiegelneurone und intuitive Intelligenz
- Die Falle des Expertentums: »Wer hat den Plan?«
- Im konkreten Fall: Welche Behandlung ist möglich?
11.5 Der Arbeitsauftrag und die Zielvereinbarung - Der Klient als sein eigener Pilot
- Paradox: Die nicht freiwillige Therapie
- Das Arbeitsbündnis als »Tanz«
- Der Arbeitskontrakt - Ein Mustervertrag
- Vertrag über Interventionsplanung
11.6 Die Ressourcenorientierung - Auf die Dosierung kommt es an!
11.7 Menschlich-therapeutische Interventionsebenen
- Die Augen der Welt oder Die Arbeit mit dem Blick: Waffe oder Halt
- Der Ton macht die Musik oder Die Arbeit mit der Sprache
- Imagination: »Gute Bekanntschaft mit dem inneren Beobachter schließen«
- Heilsame Berührungen oder Die Arbeit mit dem Körper
- Körperimagination: »Sich mit dem Körper anfreunden«
11.8 Innere Landschaften von Suchtklienten -
Grenzfälle und andere menschlich-therapeutische Herausforderungen. Eine begründete Auswahl
- Doppeldiagnosen und Komorbiditäten
- Integrierte Therapie
- Körperübung: »Begreife dich selbst«
- Drogeninduzierte Psychosen versus Eigenmächtigkeit spezifischer Rauschdrogen - Eine therapeutisch schwierige Abgrenzung
- Authentisches Erleben oder drogeninduzierte Psychose?
- Das innere Kind oder »Armer schwarzer Kater« - Wachstum durch innere Annahme
- Das Rufen des inneren Kindes - Ein Gedicht als Fallbericht
- Imagination: »Der sichere Wohlfühlort mit hilfreichen Wesen«
- Schatten auf der Seele oder Gold im Herzen - Depression und Empfindungsfähigkeit
- Imagination: »Baumübung«
11.9 Berufsrisiko für Ärzte, Therapeuten und sonstige Helfer: Arbeitssucht
11.10 Ein leidenschaftliches Plädoyer für Achtsamkeit und Selbstfürsorge
- Imagination: »Gepäck ablegen«
- Tankstellen für Arbeitsfähigkeit und Wohlbefinden
- Tankstelle 1: »Rücken an Rücken«
- Tankstelle 2: »Abrahams Schoß«
- Zurück auf »Start«: Welche Dosis an drogenspezifischem Basiswissen brauchen Ärzte und Therapeuten?
- Auch Therapeuten und Ärzte sind Mütter und Väter von Söhnen und Töchtern
- Effektive Prävention
Ein Schlusswort mit gelassener Nachsicht
Kontaktadresse des Autors
Literatur

Leseprobe

8. Weniger ist mehr: Ein roter Faden in der Sucht für Theorie und Praxis
Eine stimmig nachvollziehbare Theorie der süchtigen Abhängigkeit ist unverzichtbar, wenn wir das Phänomen mit seinen vielen Gesichtern in seinem Ursachengeflecht tatsächlich verstehen wollen. Gute Theoriebildung ist eine echte innere Herausforderung für den denkenden, verstehenden Geist sowie für unser Bewusstsein als Verständnis davon, wie wir in der Welt stehen. Zur Qual kann die Theorie dort werden, wo sie sich mit der dem Wissenschaftsbetrieb oft innewohnenden, bereits erwähnten »Sucht nach ›Tiefe‹« in wachsendem Maße selbstverliebt um sich selber dreht. Im Drehen von sich beständig verkomplizierenden Pirouetten läuft sie Gefahr, sich in nebulöser Undurchdringlichkeit zu verlieren und sich ihrer verstehbaren Inhalte zu berauben.
Die eine, allgemeingültige Theorie der Sucht gibt es nicht. Es wäre maßlos vermessen, solches vorzugeben oder zu beanspruchen. In der Geschichte der Suchttheorien finden wir etliche wertvolle Gedankengänge, die unser modernes Verständnis des Phänomens jeder für sich bereichert haben. In neuerer Zeit hat Rudolf Klein (2002) den Versuch unternommen, die systemische Therapie des süchtigen Trinkens konzeptionell zu fassen. In einer Art »doppelter Beschreibung« setzt er detaillierte Fallberichte aus der systemischen therapeutischen Praxis parallel neben ausgefeilte systemisch-konstruktivistische Überlegungen. Sein Bemühen verdient Anerkennung, zeigt aber den schwierigen Spagat, verstehbare Suchttherapien deckungsgleich mit hoher Suchttheorie zu beschreiben. Sobald moderne Suchttheorien ein gewisses Abstraktionsniveau übersteigen, beginnen sie um sich selbst zu kreisen. Praxissprache und Theoriesprache können das intendierte befruchtende Spannungsverhältnis nicht mehr halten und fallen auseinander. Die Theorie wird zum Selbstzweck, sie berauscht sich an sich selbst.
Persönlich liebäugele ich über die Jahre meiner präventiven, beratenden und therapeutischen Suchtarbeit immer stärker mit der Devise: »weniger ist mehr«. Mit dem erklärten Ziel, die Komplexheit erforderlicher Suchttheorie auf ein verträgliches Maß herunterzubrechen, schlage ich einen kleinsten gemeinsamen Nenner als alltagstauglichen theoretischen Konsens vor.
Die Grundlage meines Vorschlags sowie meines Verständnisses von Drogenmissbrauch und süchtiger Abhängigkeit sind Forschungsergebnisse, Erkenntnisse, Vermutungen und Hypothesen der derzeit als Wissensstand weitgehend akzeptierten jüngeren Säuglingsforschung und Entwicklungspsychologie (Stern, 1992, 1998; Dornes, 1993, 1997, 2000, 2006), und hier insbesondere die Art, wie wir Menschen unser Selbst, unseren Kern sowie uns als Menschen unter Menschen begreifen. Darauf gegründet, fasse ich mit einigen persönlichen Freiheiten meine Theorie der Sucht aktuell so:
1. Unser wichtigstes Selbstgefühl als Menschen ist das im Kern unversehrte Gefühl von Urheberschaft und Wirksamkeit. Gemeint ist: Wir sind Herr im eigenen Haus, wir halten die Fäden unseres Lebens in der Hand und spinnen sie weiter im Verfolgen von Lebensplänen und Zielen. Mit dem eigenen Handeln können wir erfolgreich etwas bewirken und unsere zwischenmenschlichen Beziehungen gestalten. Intakte Wirkmächtigkeit ist der Bauleiter eines integrierten Selbst. In das Selbstgefühl von Urheberschaft und Wirksamkeit eingebettet sind sämtliche Tönungen, Farben und Klänge unserer Gefühlswelt, unsere Wahrnehmung für den Körper mit seinem ihm eigenen Körpergedächtnis sowie ein »Update« unserer gesamten Lebensbiografie.
2. Wird unser Grundgefühl von Urheberschaft und Wirksamkeit, also unser organisierender und motivierender Lebensmotor, über Gebühr untolerierbar eingeschränkt, beschädigt oder zerstört, werden wir anfällig für die Versprechungen psychoaktiver Wirkstoffe oder die manipulative, selbstregulierende Wirkung nicht stofflichen Suchtverhaltens. Lassen wir leben oder werden wir gelebt, statt unser Leben eigenmächtig zu gestalten, und fühlen wir uns stärker fremdbestimmt oder gar ohnmächtig statt wirkmächtig, und können wir unsere Mitmenschen gefühlsmäßig nur noch unbefriedigend erreichen, weicht der aktive Lebensmodus mehr und mehr einer »passivierten« Lebensteilhabe.
3. Da menschliche Themen Lebensthemen sind, kann grundsätzlich jeder Mensch zu jedem Zeitpunkt im Leben süchtig entgleiten, sobald er in seinen Lebensbewältigungsmechanismen überfordert wird und sein Selbstgefühl von Urheberschaft und Wirksamkeit Einbrüche über die Toleranzgrenzen hinaus erleidet.
4. Drogen- und Suchttherapien fördern zweckmäßigerweise die Wiederbelebung bzw. Stärkung des Selbstgefühls von Urheberschaft und Wirksamkeit. Legen wir in der praktischen Arbeit darauf einen Fokus, steigen die Chancen auf Erfolg.
Diese wenigen Thesen sind meine suchttheoretischen »essentials«. Mit einem Augenzwinkern zwar, aber mit einem durch die Praxis überzeugten Grundton füge ich hinzu: Meines Wissens ist es die derzeit kürzeste existierende Suchttheorie. Mehr braucht es für mich nicht mehr. Meine Sicht der Dinge birgt keine Nachteile, ist in sich kohärent und in gewissem Sinne widerlegungsimmun, da sie sich therapiepraktisch wie empirisch aus sich heraus bestätigt. Insofern halte ich sie für konsensfähig. Gleichwohl schottet sie sich nicht ab, sondern bleibt offen für theoretischere Gedankengänge von anderer Seite, die ich sehr wohl zu schätzen weiß. Den theoretisch interessierten Leser verweise ich deshalb auf mein Grundlagenwerk »Der rote Faden in der Sucht« (2000), in welchem ich maßgebliche ältere und jüngere Suchttheorien einer würdigenden Gesamtschau unterzogen habe, um sie als kleinsten gemeinsamen Nenner auf meine »essentials« zurückzuführen. Im gleichen Zuge habe ich etliche »lieb gewonnene« theoretische Konzepte der Suchtarbeit einer kritischen Revision unterzogen und einige »heilige Kühe geschlachtet«. Meinem Ziel, die Theorie der Sucht alltagstauglich verstehbar und mit einem therapeutischen Fokus anwendbar zu machen, glaube ich dadurch näher gekommen zu sein.
Unverhofft kommt oft: Da auch ich mich als Mensch, Therapeut und Autor wohler fühle, wenn ich mit meiner Sicht der Dinge nicht allein dastehe, finde ich Unterstützung von einer Seite, von der ich sie so nicht erwartet hätte: vonseiten der Philosophie. In seinem Buch »Mit sich selbst befreundet sein« setzt sich Wilhelm Schmid (2004) sehr engagiert mit unseren »Moderne(n) Zeiten« (a tribute to Charles Chaplin, der unserer Kultur schon viel früher einen Spiegel vorhielt) auseinander. Schauen wir uns mit wachen Sinnen um, springt uns ein Phänomen des modernen Menschen in die Augen: Es ist eine Lebenshaltung vieler Menschen geworden, zu der sie sich durch den gnadenlosen Zeitgeist genötigt sehen, möglichst perfekt zu funktionieren, penibelst die an sie gestellten Erwartungen zu erfüllen und nach Möglichkeit keinerlei Schwäche und Blöße zu erkennen zu geben. Jeder möchte ein »winner« sein. Wer »loser« ist, verliert alles. »Coolness« ist angesagt, als bloße Fassade wie verinnerlichte Lebensmanier. Schauen wir hinter die Fassaden, was nicht schwer ist aufgrund der zur Schau getragenen geballten »Unechtheit«, stoßen wir augenblicklich auf die innere Strukturschwäche vieler sich modern gebärdender Menschen. Wilhelm Schmid beschreibt »Schwäche« zutreffend als den »Verlust von Mächtigkeit«, von Urheberschaft und Wirksamkeit als einem Verfügen über Gestaltungsmöglichkeiten im Leben. Über diese Möglichkeiten zunehmend weniger verfügen zu können, zu schwächeln, ruft peinigende Gefühle von Unzulänglichkeit und Ohnmacht hervor. Ohnmacht als Abhandenkommen individueller Wirkmächtigkeit innerhalb anonymisierter, jedoch Macht ausübender gesellschaftlicher Organisationsstrukturen kennzeichnet das grundlegende Lebensgefühl vieler Menschen. Als zersetzende Kraft dringen Ohnmachtsgefühle tief in den inneren Selbstkern von Menschen ein. Ruinös entfalten sie ihre Wirkung im Physischen wie im Psychischen, und in der Auflösung von Sinngefügen greifen sie sogar auf das Geistige oder Spirituelle über. Was immer bislang einen Wert hatte, wird wertlos. Was lange Zeit als sinnhaft galt, wird nichtig. Letztlich wird das Selbst für sich selbst, der Mensch für sich genommen fragwürdig. Er verliert seinen Selbstwert, sein Selbstbewusstsein. Gefährdungspotenziale in dieser Hinsicht tragen viele von uns in sich. Bei Drogen missbrauchenden und süchtig abhängigen Menschen wird ihre innere Strukturschwäche, ihr empfindlicher Verlust von Urheberschaft und Wirksamkeit, zum Nährboden ihres kompensatorischen, Heil suchenden Agierens.
Ist das alles schicksalhaft? Sind die Anforderungen der Moderne bewältigbar? Können wir in einer kranken Gesellschaft gesund leben? Was kann der einzelne Mensch tun, um trotz widriger Umstände Lebenszufriedenheit oder gar Glück zu finden? Aktive, eigenwillige Lebensgestaltung setzt zuvorderst Selbstverfügung voraus, den Gewinn und die überdauernde Aufrechterhaltung von »Macht über sich selbst«. Schmid fasst die Macht des Selbst über sich selbst »als Potenz und Akt der Einflussnahme auf etwas oder jemanden, auf ein Verhalten oder Verhältnisse«. Selbstmächtigkeit ist »ein Können und Vermögen, und es zeigt sich nun, dass Macht sehr viel mit Kunst zu tun hat«, mit angewandter Lebenskunst nämlich.
Schmids philosophische Überlegungen decken sich en détail mit meinen eigenen Gedanken zu unserem tragenden Selbstgefühl von Urheberschaft und Wirksamkeit, welche in der Konsequenz dazu geführt haben, sie zum Dreh- und Angelpunkt meiner gesamten Suchttheorie zu machen. Der absolute Gegenpol jeglicher Suchtgefährdung oder -abhängigkeit ist die Bewahrung einer Wirkmächtigkeit, die sich über Achtsamkeit und Selbstfürsorge in täglich praktizierter Lebenskunst verwirklicht. Es ist die Kunst, im besten Sinne die körperliche, seelische und geistige Sorge für sich selbst wahrzunehmen. Das ist ein in den Alltag integriertes, psychosozial gelebtes Anti-Sucht-Programm. [...]
Klett-Cotta Leben lernen Leben Lernen 205
1. Aufl. 2007, 232 Seiten, broschiert
ISBN: 978-3-608-89029-7

Helmut Kuntz

Helmut Kuntz, Familien- und Körpertherapeut, arbeitet in Prävention, Beratung und Therapie (Aktionsgemeinschaft Drogenberatung e.V.) in Saarbrücken; ...

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