Gläserne Bienen

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Heute kann nur leben, »wer an kein happy end mehr glaubt, wer wissend darauf verzichtet hat«: Jüngers sprachlich klarer, utopischer Roman führt uns den Menschen im Konflikt zwischen Technik und Humanität vor Augen.

Die Zukunft, in die der Roman uns führt, erinnert in manchen Zügen an die Gegenwart von Silicon Valley, und in anderen mag man Disneyland oder die Unterhaltungselektronik erkennen. Aber stärker als solche Anklänge ist der Zauber des Erfundenseins, die Signatur eines Schriftstellers, dem denn doch einiges mehr eingefallen ist als ein paar Jahre später den Ingenieuren. Und diese Zukunft wächst aus einer echten Vergangenheit hervor, dem Kaiserreich und dem Weltbürgerkrieg nach seinem Ende.

Der Text dieser Ausgabe folgt Ernst Jüngers Fassung letzter Hand in den Sämtlichen Werken in 22 Bänden, erschienen bei Klett-Cotta.

Alle Bücher von Ernst Jünger - mit den Sämtlichen Werken

Leseprobe
Gläserne Bienen

Wenn es uns schlecht ging, mußte Twinnings einspringen. Ich saß bei ihm am Tisch. Diesmal hatte ich zu lange gewartet; ich hätte mich schon längst dazu entschließen müssen, ihn aufzusuchen, doch die Misere raubt uns die Willenskraft. Man hockt in den Cafés, solange noch Kleingeld da ist, dann sitzt man herum und starrt Löcher in die Luft. Die Pechsträhne wollte nicht aufhören. Ich hatte noch einen Anzug, in dem ich mich sehen lassen konnte, aber ich durfte die Beine nicht übereinanderschlagen, wenn ich zu den Leuten ging, denn ich lief auf der Brandsohle. Da zieht man die Einsamkeit vor.
Twinnings, mit dem ich bei den Leichten Reitern gedient hatte, war der geborene Vermittler, ein gefälliger Mensch. Er hatte schon öfters für mich Rat gefunden, wie für andere Kameraden auch. Er besaß gute Verbindungen. Nachdem er mich angehört hatte, machte er mir deutlich, daß ich nur noch auf Posten rechnen konnte, die meiner Lage entsprachen, also auf solche, bei denen es einen Haken gab. Das war nur allzu richtig; ich durfte nicht wählerisch sein.
Wir waren befreundet, was nicht viel besagen wollte, denn Twinnings war mit fast allen befreundet, die er kannte und mit denen er nicht gerade verfeindet war. Das war sein Geschäft. Daß er mir gegenüber ungeniert war, empfand ich nicht als peinlich; man hatte da eher das Gefühl, bei einem Arzt zu sein, der gründlich abhorcht und keine Sprüche macht. Er faßte mich am Aufschlag meines Rockes, dessen Stoff er betastete. Ich sah die Flecken darauf, als ob mein Blick sich geschärft hätte.
Er ging dann im einzelnen auf meine Lage ein. Ich war schon ziemlich verbraucht und hatte zwar viel gesehen, doch wenig bestellt, auf das ich mich berufen konnte – das mußte ich zugeben. Die besten Posten waren die, aus denen man ein großes Einkommen bezieht, ohne zu arbeiten, und um die  man von allen beneidet wird. Aber hatte ich Verwandte, die Ehrungen und Aufträge zu vergeben hatten, wie etwa Paulchen Domann, dessen Schwiegervater Lokomotiven baute und der bei einem Frühstück mehr verdiente als andere Leute, die sich sonntags wie alltags abrackern, im ganzen Jahr? Je größer die Objekte sind, die man vermittelt. desto weniger machen sie zu schaffen; eine Lokomotive ist leichter zu verkaufen als ein Staubsauger.
Ich hatte einen Onkel, der Senator gewesen war. Aber er war seit langem nicht mehr am Leben; niemand kannte ihn mehr. Mein Vater hatte als Beamter ein ruhiges Leben geführt; das kleine Erbe war längst verzehrt. Ich hatte eine arme Frau geheiratet. Mit einem toten Senator und einer Frau, die selbst die Türe öffnet, wenn es klingelt, kann man keinen Staat machen.
Dann waren da die Posten, die viel Arbeit machen und bestimmt nichts einbringen. Man mußte Eisschränke oder Waschmaschinen von Haus zu Haus anbieten, bis man die Türklinkenangst bekam. Man mußte alte Kameraden vergrämen, indem man sie besuchte und hinterlistig mit Moselweinen oder einer Lebensversicherung überfiel. Twinnings ging mit einem Lächeln darüber hinweg, und ich war ihm dankbar dafür. Er hätte mich fragen können, ob ich Besseres gelernt hätte. Er wußte zwar, daß ich in der Panzerabnahme zu tun gehabt hatte, aber er wußte auch, daß ich dort auf der Schwarzen Liste stand. Darauf werde ich noch zurückkommen.
Es blieben Geschäfte, denen ein Risiko anhaftet. Man hatte ein bequemes Leben, hatte sein Auskommen, aber unruhigen Schlaf. Twinnings ließ einige Revue passieren, es handelte sich um polizeiähnliche Anstellungen. Wer hatte heute nicht seine Polizei? Die Zeiten waren unsicher. Man mußte Leben und Eigentum schützen, Grundstücke und Transporte überwachen, Erpressungen und Übergriffe abwehren. Die Unverschämtheit wuchs im Verhältnis zur Philanthropie. Von einer gewissen Prominenz an durfte man sich nicht mehr auf die öffentliche Hand verlassen, sondern mußte einen Stock im Haus haben.
Aber auch hier war viel weniger Angebot als Nachfrage. Die guten Plätze waren bereits besetzt. Twinnings hatte viele Freunde, und für alte Soldaten waren die Zeiten schlecht. Da war Lady Bosten, eine ungeheuer reiche und noch junge Witwe, die immer um ihre Kinder zitterte, besonders seitdem die Todesstrafe für Kindsraub aufgehoben war. Doch Twinnings hatte sie bereits bedient.
Da war ferner Preston, der Ölmagnat, den die Pferdemanie gepackt hatte. Er war verschossen in seinen Rennstall wie ein alter Byzantiner, ein Hippomane, der keine Kosten scheute, um seine Leidenschaft zu befriedigen. Die Pferde wurden bei ihm gehalten wie Halbgötter. Jedermann sucht sich ein Relief zu geben, und Preston fand dazu die Pferde geeigneter als Flotten von Tankern und Wälder von Bohrtürmen. Sie brachten ihm Fürsten ins Haus. Aber es war auch viel Ärger dabei. Im Stall, während der Transporte und auf dem Rennplatz mußte man allen scharf auf die Finger sehen. Da drohten die Verabredungen der Jockeys, die Eifersucht von anderen Pferdenarren, die Leidenschaften, die mit hohen Wetten verbunden sind. Es gibt keine Diva, die so bewacht werden muß wie ein Rennpferd, das den Großen Preis gewinnen soll. Das war ein Posten für alte Kavalleristen, für einen Mann, der Augen im Kopf und ein Herz für die Pferde hat. Aber da saß schon Tommy Gilbert und hatte seine halbe Schwadron mit untergebracht. Preston hielt ihn wie seinen Augapfel.
Am Rond Point suchte eine reiche Schwedin einen Leibwächter. Sie hatte deren schon mehrere gehabt, da sie ständig um ihre Tugend zitterte. Je strenger man jedoch den Posten wahrnahm, desto gewisser kam es zu einem häßlichen Skandal. Außerdem war das nichts für einen Verheirateten.
Twinnings zählte diese und andere Stellen auf wie ein Küchenchef die leckeren Gerichte, die von der Karte gestrichen sind. Alle Vermittler haben diese Eigenart. Er wollte mir Appetit machen. Endlich kam er mit greifbaren Angeboten – man konnte wetten, daß es da mehr als ein Haar in der Suppe gab.
Klett-Cotta Roman
E-Book basiert auf der 1. Auflage 2014 der Print-Ausgabe, 147 Seiten in der Print-Ausgabe,
ISBN-epub: 978-3-608-10428-8
autor_portrait

Ernst Jünger

Ernst Jünger, am 29. März 1895 in Heidelberg geboren. 1901–1912 Schüler in Hannover, Schwarzenberg, Braunschweig u. a. 1913 Flucht in die...

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